Falco, Sarah Connor & Co.

Extratipp.com Listicle: Zensiert, boykottiert, verboten - 7 Songs, die es schwer hatten

Sarah Connor, die Spider Murphy Gang und Falco vor mehreren Kassetten (Fotomontage)
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Auch Songs von Sarah Connor, der Spider Murphy Gang oder Falco sorgten schon für reichlich Diskussionsstoff und wurden deswegen boykottiert, zensiert oder gar verboten (Fotomontage)

Hinter vielen Liedern stehen starke Interpreten, die nicht nur musikalisch, sondern auch textlich auffallen wollen. Manche sorgten damit jedoch für einen Skandal, sodass ihre Songs teilweise boykottiert, zensiert oder sogar verboten wurden. Mit dabei: Sarah Connor, die Spider Murphy Gang und Falco.

München - Schon der französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) wusste um die eigentliche Essenz der Musik: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“, soll der „Der Glöckner von Notre-Dame“-Schöpfer einst erkannt haben - und das, obwohl er knapp ein Jahrhundert vor rebellischem Punk Rock, gesellschaftskritischen Raptexten und ermutigenden Pop-Hymnen lebte. Recht hat er dennoch bis heute. Musik bewegt, polarisiert - und provoziert manchmal geschickt, manchmal ganz unbewusst. An manchen Liedern schieden sich im Laufe der Jahrzehnte deswegen die Geister - das mussten auch schon Stars wie Sarah Connor (40), Die Ärzte oder Drafi Deutscher (†60) am eigenen Leib erfahren.

Auch Die Ärzte - hier Bela B (l.) und Farin Urlaub (r.) bei einem Auftritt in Dortmund - erregten mit ihrem Liedgut einst Unmut und bekamen es deswegen mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften zu tun

Zensiert, boykottiert, verboten: Spider Murphy Gang und Falco fielen in Ungnade

„Skandal im Sperrbezirk“ der Münchner Rockband Spider Murphy Gang war 1981 in aller Munde: Der Neue Deutsche Welle-Hit stürmte nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz eins der Single-Charts, sondern löste zeitgleich aufgrund seines für die damalige Zeit anstößigen Textes und Inhalts - die Geschichte der Prostituierten Rosi im Rotlichtmilieu Münchens - einen weitläufigen Medienboykott in Bayern aus. Die „ZDF-Hitparade“ mit Dieter Thomas Heck (†80) erachtete den Song als „zu heiß“ und ignorierte den Chartstürmer trotz exzellenter Verkaufszahlen. Außerhalb ihrer bayerischen Heimat spürte die Spider Murphy Gang jedoch nur wenig vom Widerstand gegen ihre Nummer - viele Sendeanstalten erkannten das Hitpotenzial und spielten den Song trotzdem.

Nur vier Jahre später und etwa 400 Kilometer östlich von München startete in Wien Johann Hölzel alias Falco (†40) mit seinem Hit „Jeanny“ richtig durch, holte sich in gleich mehreren Ländern die Spitzenplatzierung der Single-Charts. Text und Video der umstrittenen Nummer bescherten dem österreichischen Popstar indes einen handfesten Skandal: Falco wurde vorgeworfen, sein textlich mehrdeutiger Song verharmlose Themen wie Vergewaltigung und Mord. Im dazugehörigen Clip spielt Falco einen psychopathischen Mörder, der in eine Zwangsjacke gequetscht in einer Gummizelle sitzt. Etliche Frauenverbände riefen öffentlich zum Boykott auf, dem sich unter anderem NDR und BR anschlossen. Auch Star-Moderator Thomas Gottschalk (70) mischte sich damals ein, betitelte den Österreicher als „Wiener Würstchen“.

Zensiert, boykottiert, verboten: Die Ärzte, Drafi Deutscher und Rammstein mussten dran glauben

Jahre bevor Die Ärzte ihren kommerziellen und gesellschaftlichen Durchbruch erlebten, galten die Berliner als Enfant terrible des deutschen Punk Rocks. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indizierte 1987 die Alben „Die Ärzte“ und „Debil“, da darauf auf Tabuthemen wie Inzucht oder Sadomasochismus Bezug genommen wurde. Der Skandalsong „Geschwisterliebe“ ist bis heute verboten. Auch Schlagerstar Drafi Deutscher musste Erfahrungen mit einer Zensurbehörde machen - die war allerdings wesentlich strenger als ihr westdeutsches Pendant: Sein Ohrwurm „Marmor, Stein und Eisen bricht“ wurde in der DDR als revolutionär eingestuft, da man den Refrain auf die Berliner Mauer bezog. Ironischerweise trat der Musiker 1990 nach dem Mauerfall im Palast der Republik auf.

Als standesgemäße Meister bewusster Provokation dürfen Rammstein in dieser Liste natürlich nicht fehlen: Die Rockband um Frontmann Till Lindemann (58) sorgte schon für so manch Schlagzeile, spielt lyrisch und visuell seit Jahren (oft auch im wahrsten Sinne des Wortes) mit dem Feuer und bekam es 2010 deswegen mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien zu tun. Die empfanden den Song „Ich tu dir weh“ vom Nummer-eins-Album „Liebe ist für alle da“ (2010) als wahrlich schmerzhaft und indizierten die Single, da diese ihrer Ansicht nach „eine befürwortende Vermischung von Sexualität und Gewalt“ propagiere. Auch in anderen Ländern nahm man das Stück mit gemischten Gefühl auf. Im Juni 2010 wurde die Indizierung jedoch aufgehoben, da das Verwaltungsgericht Köln in seinem Urteil zugunsten der „Kunstfreiheit“ entschied.

Zensiert, boykottiert, verboten: Diskussionen um Sarah Connor und Die Fantastischen Vier

Kaum zu glauben, aber auch Die Fantastischen Vier standen zweieinhalb Jahrzehnte lang auf dem Index. Ihr sozialkritisches Weihnachtslied „Frohes Fest“ erschien 1991 und wurde in den beiden Folgejahren jeweils kurz vor den Festtagen veröffentlicht, geriet November 1993 allerdings ins Visier der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften. Die Behörde kritisierte, der sechsminütige Song wirke sozialethisch desorientierend auf Kinder und Jugendliche, da dieser eine düstere Vision des Weihnachtsfests zum Inhalt habe. Tatsächlich beschreibt der Song in teils expliziten Worten von sozialen Außenseitern, geht dabei auf Themen wie Drogensucht und Prostitution ein. Seit Oktober 2018 ist der satirisch-spitzzüngige Song wieder frei verfügbar.

Für einen echten Aufreger sorgte auch Sarah Connor 2019 mit ihrem Song „Vincent“ - die Wut richtete sich allerdings nicht gegen die Popsängerin, sondern vielmehr gegen die zahlreichen Radiosender, die den Song kürzten oder komplett boykottierten. „Vincent“ handelt von einem jungen Mann, der sich seiner Homosexualität bewusst wird - ein starker, wichtiger Song also! Die erste Textzeile („Vincent kriegt kein‘ hoch, wenn er an Mädchen denkt“) erachteten viele Senderverantwortliche offenbar als so unpassend, dass sie den Song aus dem Programm nahmen oder erst nach den Anfangstakten anspielten. Für so wenig Feingefühl hagelte es schließlich Kritik von allen Seiten. Gegenüber der taz erklärte Sarah Connor über „Vincent“: „Es [ist] der wichtigste Song (...), den ich bisher gemacht habe.“

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