Strenge Verbote, harte Regeln?

„Boyband-Gott“: Jay Khan (Team 5ünf, US5) spricht über Vergangenheit mit Ex-Manager Lou Pearlman (†)

Team 5ünf- und US5-Mitglied Jay Khan steht vor Boygroup-Fans, daneben Manager Lou Pearlman und die Backstreet Boys (Fotomontage)
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Auch die Boygroup US5, in der Jay Khan von 2005 bis 2009 sang, wurde von Manager Lou Pearlman zusammengestellt. Der 2016 verstorbene Musikmogul stand hinter Projekten wie den Backstreet Boys oder *NSYNC - und sorgte für allerhand Gerüchte (Fotomontage)
  • Jonas Erbas
    vonJonas Erbas
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Mit den Backstreet Boys, US5, Natural oder *NSYNC schuf Lou Pearlman zahlreiche erfolgreiche Boybands, welche die Popmusik der 1990er und 2000er nachhaltig prägten. Um den 2016 in Haft verstorbenen Manager ranken sich allerdings nach wie vor zahlreiche Gerüchte - Jay Khan (Team 5ünf) bringt für uns Licht ins Dunkel.

Berlin - Mit ihrer Band Team 5ünf wollen Jay Khan (38) und Marc Terenzi (42) den Boygroup-Hype der 1990er und 2000er wiederbeleben - indem sie bekannte Pop-Hits der Backstreet Boys, Take That oder *NSYNC auf Deutsch covern! Ihr Handwerk erlernten die beiden Musiker direkt am Puls der Zeit: Der ehemalige US5-Star und der frühere Natural-Frontmann entstammen beide der Talentschmiede des Musikmanagers Lou Pearlman (†62). Der New Yorker Geschäftsmann stand hinter vielen der größten Boybands aller Zeiten, suchte und förderte junge Talente, um mit ihnen die Charts und die Herzen der Fans zu erobern.

Um den 2008 zu 25-jährigen Haftstrafe (u.a. wegen Geldwäsche und Insolvenzbetrug) verurteilten Pop-Mogul und seine Arbeitsmethoden ranken sich bis heute zahllose Gerüchte. Team 5ünf-Star Jay Khan blickt mit extratipp.com hinter die Kulissen und deckt auf.

In den 1990ern und 2000ern überflutete der New Yorker Geschäftsmann Lou Pearlman die Musikwelt mit Boybands wie den Backstreet Boys, US5, Natural oder *NSYNC - um seine Methoden ranken sich noch immer zahlreiche Gerüchte

Team 5ünf-Mitglied Jay Khan über „Boyband-Gott“ Lou Pearlman: „Behandelte mich wie einen Sohn“

Bezüglich Lou Pearlman sind die Meinungen gespalten: Während sich die Stars von Boybands wie den Backstreet Boys oder *NSYNC darüber klar einig sind, dass sie dem New Yorker ihre beeindruckenden Karrieren zu einem Großteil zu verdanken haben, stand der 2016 in Haft aufgrund eines Herzstillstands verstorbene Manager gerade in den letzten Jahren seines Lebens oftmals in der Kritik. So warf *NSYNC-Sänger Lance Bass (41) seinem ehemaligen Förderer in der US-amerikanischen Nachrichtenreihe „20/20“ vor, sein Vertrauen ausgenutzt und ihn ausgebeutet zu haben. „Ich war in der größten Band der Welt und verkaufe Millionen an Platten, aber kann mir mein Appartement in Orlando nicht leisten. Ich konnte mir nicht einmal ein Auto leisten“, erklärte er beim Sender ABC.

Doch wie so oft gibt es zwei Seiten der Geschichte: Team 5ünf-Mitglied Jay Khan, den Lou Pearlman einst mit US5 bekannt machte, beschrieb auf Extratipp.com-Anfrage sein Verhältnis zu dem Boygroup-Mogul als „sehr innig“. „Er behandelte mich wie einen Sohn, den er nie hatte“, berichtet der 38-Jährige und erklärt, den „Boyband-Gott“ über „einen gemeinsamen Freund in Berlin“ kennengelernt zu haben. „Sechs Wochen später war ich in Florida, arbeitete in seinen Studios und lebte in seinem Anwesen“, erzählt der Sänger weiter. Von Berlin in die weite Welt - Lou Pearlman machte es möglich!

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Jay Khan (Team 5ünf, US5) deckt auf: Was verbot Lou Pearlman seinen Boygroups?

Um den heilen Boyband-Kosmos nach außen zu wahren, sollen unter Lou Pearlman strikte Verbote geherrscht haben - ist da was dran? Immerhin hält sich das hartnäckige Gerücht, die Beziehung zwischen Sarah Connor und Jay Khans Team 5ünf-Kollegen Marc Terenzi habe 2002 zur Auflösung seiner Boygroup Natural geführt. „Das war viel lockerer als man annahm“, stellt der in London geborene Musiker die Sache richtig. „Es gab keine Klausel im Vertrag, die uns untersagte, Freundinnen zu haben, das ist ein Mythos“, erklärt Jay Khan weiter. Nebensächlichkeiten wie Tattoos seien - „zumindest zu Beginn der Karriere“ - nicht erwünscht gewesen, allgemein sei es dem Musikmanager aber vorwiegend wichtig gewesen, „dass man sich fit hält und gepflegt aussieht“.

Untereinander herrschte zwischen den verschiedenen Boybands, die bei Lou Pearlman unter Vertrag standen übrigens eine Stimmung „wie in der Schule oder auf Arbeit“: „Mit einigen kommt man gut klar, mit anderen weniger - aber man muss zusammen arbeiten und funktionieren“, gibt der Team 5ünf-Gründer nüchtern zu. Das „Brüder-fürs-Leben-Prinizip“ schieße „dann doch übers Ziel hinaus.“ Wichtig für den 38-jährigen Boygroup-Veteranen: Er trennt klar sein berufliches Verhältnis zu dem Musikmanager von dessen kriminellen Machenschaften. Dass der US-amerikanische Musik-Mäzen ihn „nie auch nur ansatzweise schlecht behandelt [habe]“, rechtfertige „in keiner Weise die Straftat, für die er verurteilt wurde.“

Lou hat mich persönlich nie auch nur ansatzweise schlecht behandelt, im Gegenteil, er unterstützte mich, wo er konnte und gab mir die Chance meines Lebens. Dafür werde ich immer dankbar sein. Dies entschuldigt aber in keiner Weise die Straftat, für die er verurteilt wurde. Seine kriminellen Machenschaften haben vielen Menschen erheblichen finanziellen Schaden zugefügt und für sein Handeln musste er verdient die Konsequenzen ziehen.

Jay Khan über Boyband-Mogul Lou Pearlman

Boygroup-Mogul Lou Pearlman: Meinungen gespalten - zwischen Förderer und Betrüger

Der Mythos Lou Pearlman lebt auch nach dessen Tod klar weiter: Die Geschichte um den New Yorker Geschäftsmann, der mit seiner Boyband-Armee raffiniert in die Musikindustrie einmarschierte, und anschließend wegen schwerwiegender Verbrechen ins Gefängnis musste, ist eigentlich Stoff fürs Kino. Verfilmt wurde Lou Pearlmans Lebensgeschichte übrigens bereits: Die YouTube-Doku „The Boy Band Con: The Lou Pearlman Story“ beleuchtet seine Kindheit in Queens, sowie seinen hohen Aufstieg und den noch viel tieferen Fall. Kritisch kommentiert wird das Ganze von ehemaligen Weggefährten, darunter auch Boygroup-Mitgliedern, die er einst groß rausbrachte.

Nicht verpassen: In der zweiten Folge von „Promify“ sprechen die „Goodbye Deutschland“-Stars Caro und Andreas Robens mit uns exklusiv über Musik im Fitnessstudio, Ballermann-Schlager und Corona.

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