Seit 1986 indiziert

Böhse Onkelz: Frankfurter Rockband über Skandal-Album „Der nette Mann“ - So sehen sie ihr Debüt heute

Mit ihrem Debüt „Der nette Mann“ sorgten die Böhsen Onkelz 1984 für einen handfesten Skandal - doch wie denkt die Frankfurter Rockband heute über das Album?

Frankfurt am Main - Als die Böhsen Onkelz im Frühling 1984 ihr Debüt „Der nette Mann“ vorlegten, ahnten Frontmann Kevin Russell (56) und seine Kollegen vermutlich nicht, dass das Album zwei Jahre später von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) für immer aus dem Verkehr gezogen werden würde. Doch im August 1986 setzte die zuständige Bundesbehörde das Album auf den Index, unterstellte der Rockband unter anderem gewaltverherrlichende Texte und trug damit maßgeblich dazu bei, dass den Onkelz noch lange ein zweifelhafter Ruf anhängen sollte.

2011 wurde die Indizierung verlängert, lediglich der Titeltrack darf seit Dezember 2019 wieder straflos aufgeführt werden. Doch was sagen die Frankfurter selbst zu ihrem umstrittenen Debüt?

Die Böhsen Onkelz (hier: Sänger Kevin Russell) mischen seit Jahrzehnten oben mit - ihr Debütalbum „Der nette Mann“ (1984) ist jedoch seit 1986 indiziert

Böhse Onkelz: Debütalbum „Der nette Mann“ seit 1986 indiziert - wie steht die Band zu dem Album?

Wilde Anfangsjahre für die Onkelz: Zu Beginn ihrer Karriere waren die Frankfurter noch meilenweit von der Erfolgsspur, auf der sie noch heute Vollgas geben, entfernt. So war es den Überredungskünsten von Bassist Stephan Weidner (57) zu verdanken, dass man überhaupt vereinzelt Konzerte spielen durfte (extratipp.com berichtete), bei denen man dann teils kuriose Songs performte (extratipp.com berichtete). Da kam das Angebot der „ominösen Plattenfirma“, wie Gitarrist Matthias „Gonzo“ Röhr (58) ihr ehemaliges Label Rock-O-Rama Records in der YouTube-Doku „40 Jahre Böhse Onkelz - Ein kurzer Abriss der Geschichte“ nennt, genau richtig.

„Ich glaube die erste Platte, die lässt sich mit keiner anderen vergleichen“, erklärt Stephan Weidner und gibt dann zu: „Du hattest auch gar keine Ambitionen, du wolltest einfach nur das Ding haben. Im Studio - alles total aufregend, die vielen Knöpfe und Bandmaschinen. (...) Und da war klar: Jetzt sind wir echt die Geilsten“. Der Traum vom eigenen Debüt wurde den Böhsen Onkelz so also ermöglicht - doch die BPjM machte den Frankfurtern mit der Indizierung 1986 einen Strich durch die Rechnung. In dem Bericht der Behörde fiel jedoch auf, dass man sich dort mit den Texten der Band nur äußerst ungenau auseinandergesetzt hatte.

In der Doku ist auch ein altes Interview mit den Böhsen Onkelz zu sehen, in dem die Band der festen Überzeugung ist, man habe „irgendeinen Grund gesucht“, um das Album „wegen politischen Aussagen“ zu verbieten. Als dies nicht gelang, habe man dem Debüt der Onkelz „Gewaltverherrlichung [und] Pornografie“ vorgeworfen. Und heute? Zumindest der Titeltrack ist wieder erlaubt. Für Kevin Russell kam die Indizierung einer Farce gleich: „Was haben sich die Menschen darüber aufgeregt, am Anfang und bis zum Schluss - was [für] einen Skandal die daraus gemacht haben. Jetzt sind sie auf den Trichter gekommen, dass die von der Indizierungsstelle total die Fehler gemacht haben, weil sie die Worte nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollten“.

Die Onkelz stehen also nach wie vor hinter „Der nette Mann“. Zudem erklärt Stephan Weidner, dass man mit dem Debütalbum ohnehin kein Geld verdient habe - unabhängig von der Indizierung. Rückblickend waren die ersten 15 Jahre ihrer Karriere „relativ überschaubar, was den finanziellen Ruhm betrifft“, gibt der Bassist im Interview zu. Das Album habe ihnen dafür jedoch einen „zweifelhaften Ruhm“ eingebracht. Der hängt den Böhsen Onkelz bis heute nach - und das, obwohl sie fast alle Vorurteile bereits eindeutig widerlegt haben.

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Rubriklistenbild: © Daniel Naupold/Jan-Philipp Strobel/David-Wolfgang Ebener/dpa/picture alliance

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