Seit vierzig Jahren umstritten

Sind Böhse Onkelz rechts? Rockband bei Fans und Kritikern umstritten

Ihre Alben verkauften sich millionenfach und auch privat gelten sie als äußerst engagiert - dennoch sind die Böhsen Onkelz nach wie vor umstritten. Obwohl ihre Nähe zur rechten Szene mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt, halten sich weiterhin üble Gerüchte. Höchste Zeit, die Fakten sprechen zu lassen.

  • In ihren Anfangstagen gehörten die Böhsen Onkelz der rechten Skindhead-Szene an
  • Die Frankfurter distanzierten sich jedoch bald vollkommen und machten sich für soziale Projekte stark
  • Inzwischen sind viele ehemalige Kritiker der Onkelz zu überzeugten Fürsprechern geworden

Frankfurt am Main - Als die Böhsen Onkelz Anfang der 1980er mit ihrem fragwürdigen Skandalsong „Türken raus“ vor ein paar Dutzend Zuschauern in lokalen Jugendclubs auftraten, ahnte wohl noch niemand, dass die Rockband eines Tages deutsche Musikgeschichte schreiben würde. Keine Frage, dieser Karriereauftakt erwies sich schon bald als äußerst unglücklich, immerhin mussten sich die Onkelz praktisch nonstop für ihre folgenschwere Entgleisung rechtfertigen - und das, obwohl sich die Band schon bald lautstark von ihrer ehemaligen Gesinnung distanzierte.

Die Anfangsjahre der Onkelz liegen wie ein Schatten auf der Band, die bis heute nicht müde geworden ist, sich gegen die einstmals berechtigten Anschuldigen zu wehren. Besonders als Fan möchte man dieses Kapitel endlich abhaken, denn die jungen Rebellen von damals sind heute vernünftige, äußerst engagierte Musiker, die mit ihren authentischen Texten (Böhse Onkelz: Die besten Zitate der Rockband um Kevin Russell) bundesweit begeistern. Doch obwohl jeder eine zweite Chance verdient hat, ist es wichtig, sich mit der Geschichte der Frankfurter möglichst objektiv auseinanderzusetzen - denn nur so lässt sich ihr vorbildlicher Imagewandel nachvollziehen.

Kevin Russell und seine Böhsen Onkelz teilen Weisheiten fürs Leben (Fotomontage)

Böhse Onkelz: Woher kommen die Anschuldigungen?

Wie anfangs bereits erwähnt, sympathisierten Sänger Kevin Russell und seine Böhsen Onkelz in den Anfangstagen mit der rechten Szene. Oder besser gesagt: Sie distanzierten sich nicht genug und suchten die Nähe zu einschlägig bekannten Kreisen. Nummern wie „Türken raus“, „SS-Staat“ oder „Deutschland den Deutschen“ trugen berechtigterweise dazu bei, dass die Frankfurter anfangs medial als Rechtsrockband wahrgenommen wurden.

Dadurch zogen die Onkelz leider auch immer wieder Personen aus dem neonazistischen Spektrum an. Die Band selber steht offen zu ihrer Vergangenheit und versucht nichts zu beschönigen - engagiert sich inzwischen jedoch sehr wohl gegen Rechtsextremismus. Tatsächlich wandten sich die Onkelz bereits Mitte der 1980er von Teilen ihres Publikums gänzlich ab, nachdem dort vereinzelt Hitlergrüße gezeigt und rechtsextreme Parolen skandiert wurden. Betrachtet man die gesamte Karriere der Band, so handelt es sich dabei zwar um ein äußerst unschönes, angesichts ihres späteren Engagements jedoch inzwischen entschuldbares Kapitel.

Böhse Onkelz: Die Kritiker der Band

Besonders aus der deutschen Musikszene hagelte es immer wieder Kritik, die zum Teil sogar die öffentliche Meinung über die Böhsen Onkelz beeinflusste. So zählte Campino, Sänger der Toten Hosen, über Jahre zu den schärfsten Kritikern der Band. In einem Interview mit dem Playboy warf er den Onkelz 1996 vor, nach wie vor „für eine abgeschmackte Landserheftchen-Romantik“ zu stehen. Auch die erfolgreiche Punkband Die Ärzte äußerte sich mehrfach kritisch zur Frankfurter Kultband.

In ihrem 1993 erschienenen Song „Schrei nach Liebe“ unterstellten sie den Onkelz die direkte Nähe zur Rechtsrockszene. Wie er in verschiedenen Interviews bekannt gab, Campino seine Meinung zu den Böhsen Onkelz inzwischen revidiert. So plädierte er bereits 2003 dafür, die Rocker aus der Mainmetropole „endlich wie jede andere Hardrock-Band“ zu behandeln“. Doch nicht nur aus dem linken Spektrum wehte den Onkelz teilweise heftiger Gegenwind entgegen. Auch im rechtsextremen Lager gilt die Band als äußerst unbeliebt - ein klares Indiz für den erfolgreichen Imagewandel des Quartetts.

Böhse Onkelz: Imagewandel und Engagement

Um ganz klar Flagge zu zeigen, haben die Böhsen Onkelz in den letzten Jahrzehnten nicht nur Worte, sondern auch Taten sprechen lassen. Kaum eine andere deutschsprachige Band engagiert sich für eine derart breite Palette an sozialen Projekten wie die Kultrocker. Besonders Bassist Stephan „Der W“ Weidner gilt als außerordentlich großmütig, was soziale Engagements anbelangt. Mit den Böhsen Onkelz unterstützte er bereits Opfer rechtsextremer Gewalt, Straßenkinder in Krisengebieten, Drogenabhängige und AIDS-Kranke.

Zudem setzt sich die Band lautstark gegen Rechtsextremismus und Rassismus ein. Auf vielen Konzerten stellten die Onkelz bereits klar, dass sie von rechtem Gedankengut überhaupt nichts halten und für eine offene, bunte und tolerante Gesellschaft einstehen. Damit haben die Frankfurter einen vorbildlichen Imagewandel vollzogen, der jedem noch so verbissenen Kritiker eigentlich beweisen sollte, dass sich in den letzten vier Jahrzehnten einiges getan hat.

Infos über den Autor

Jonas Erbas, Volontär bei extratipp.com, schreibt über Themen aus den Bereichen TV, Stars, Schlager und die Welt der Musik. Egal ob Metal, Rock, Pop oder Hip-Hop – Jonas kennt und liebt die Welt der Musik. Mehr Infos zur Redaktion und dem Team von extratipp.com gibt es hier.

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