Das Gesicht der deutschen Hip-Hop-Szene

Apache 207: Zwischen Schlager-Rap und Massenphänomen - darum polarisiert der Rapper so sehr

2020 brach Apache 207 alle Rekorde - doch der Rapper ist nicht unumstritten, polarisiert unter den Rap-Fans. Manche sehen ihn ihm den Retter der deutschen Hip-Hop-Szene, andere kritisieren ihn scharf für seinen poppigen Schlager-Rap.

Mannheim - Für Apache 207, der mit bürgerlichem Namen Volkan Yaman (23) heißt, war 2020 ein echtes Erfolgsjahr: Der Rapper, dem im April 2019 mit „Kein Problem“ ein erster Durchbruch gelang, veröffentlichte im Sommer letzten Jahres sein Debütalbum „Treppenhaus“ (Platz eins in den deutschen Albumcharts) - und brach alle Rekorde!

Schon lange wird der 23-Jährige als die nächste Sensation der deutschen Hip-Hop-Szene gehandelt, wurde dank seines millionenfach gehörten Nummer-eins-Hits „Roller“ (über 241 Millionen Mal bei Spotify gestreamt) praktisch über Nacht zum Massenphänomen und mischt seitdem überaus erfolgreich ganz oben mit. Doch seine von Kritikern vielfach gelobten Songs, die tanzbaren Beats und sein eigenwilliger Stil spalten die Musikwelt.

Apache 207 zählt zu den angesagtesten Rappern des Landes - sein Debütalbum „Treppenhaus“ erreichte 2020 die Spitze der deutschen, österreichischen und schweizerischen Charts

Apache 207: Von den Massen gefeiert, doch oft kritisiert - darum spaltet der Rapper die Szene

Das Gründe für den Erfolg von Apache 207 scheinen auf der Hand zu liegen: Der Rapper ist Ausnahmekünstler, Kunstfigur und Trendsetter in einem, inszeniert sich auf der einen Seite bewusst als unnahbarer, geheimnisumwobener Außenseiter, während er geschickt mit gängigen, jedoch gut dosierten Klischees und kunstvollen Überspitzungen spielt. Auch musikalisch gelingt dem in Ludwigshafen am Rhein geborenen Musiker ein ähnlich beeindruckender Spagat: Der 23-Jährige verbindet in seinen Songs einzelne eingängige Elemente aus Pop, Eurodance oder Schlager mit authentischem, modernen Deutschrap und erstklassigen Flows - ein Novum!

Damit öffnet Apache 207 die deutsche Hip-Hop-Szene wieder denen, die in den letzten Jahren weder musikalisch noch textlich viel mit diesem Genre anfangen konnten. Wem gestandene Deutschrap-Acts wie Kollegah (36), Farid Bang (34) oder Bushido (42) zu hart oder schlichtweg zu vulgär waren, der konnte auf die Songs des 23-jährigen Rappers zurückgreifen, ohne dabei auf den für diese Musik so wichtigen, ungeschönten Straßenflair gänzlich verzichten zu müssen. Der etwa zwei Meter große Hüne rappt und singt zwar selbstverständlich auch von schnellen Autos, schönen Frauen und jeder Menge Geld, lässt dabei jedoch - oft mit einem Augenzwinkern - durchscheinen, dass er in Wirklichkeit fernab derart prolliger, einfach gestrickter Stereotype existiert.

Apache 207: Rapper, Ausnahmetalent, Revoluzzer - das Massenphänomen des Deutschraps

In gewisser Weise ließe sich also argumentieren, dass Apache 207 den Deutschrap, der in den letzten Jahren medial aufgrund diverser Skandale für viel Unmut sorgte, wieder salonfähig macht. Ganz so einfach ist das jedoch nicht: Gerade die Tatsache, dass der Rapper mit seiner Musik auch diejenigen begeistert, die harten Text von der Straße sonst abschätzig gegenüberstehen, ist für viele Angehörige der Szene ein Problem. Sie fühlen sich quasi ihrer Identität beraubt.

Bestes Beispiel hierfür ist Apache 207s neuster Song „Angst“, der zum Jahreswechsel erschien. Auf Facebook, Instagram, Twitter & Co. wurde der Rapper für die ehrliche, durch und durch melodische Abrechnung mit der Musikbranche und ihren Akteuren lautstark bejubelt - doch es kamen auch kritische Stimmen zu Wort, die dem inzwischen in Mannheim ansässigen Massenphänomen vorwerfen, „zu soft“, oder „extrem kommerziell“ zu klingen. Ein User klagt, der 23-Jährige habe sich „verkauft“.

Apache 207: Trotz Kritik und eigenwilligem Image - Rapper hat bisher alles richtig gemacht

Aufgrund der Popularität und Eingängigkeit seiner Musik wurde Apache 207 in der Vergangenheit gerne öfter als „Schlager-Rapper“ betitelt, eine Bezeichnung, die zeigen soll, wie nah der Ausnahmekünstler musikalisch Stars wie Helene Fischer (36) doch eigentlich ist. Gänzlich falsch ist diese Behauptung natürlich nicht, doch es lässt sich ebenso wenig bestreiten, dass der 23-Jährige die Deutschrap-Szene mit seinem charakteristischen Stil klar nachhaltig geprägt und womöglich langfristig sogar revolutioniert hat. Rückwirkend betrachtet waren es jedenfalls meist die Künstler, die stark polarisierten, welche später bewiesen, dass ihnen der Erfolg letztendlich recht gab. Für einen derartigen Werdegang hat Apache 207 bis jetzt definitiv den richtigen Grundstein gelegt.

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Rubriklistenbild: © Screenshot/Instagram/Apache 207 & Georg Wendt/Eduardo Verdugo/Stephanie Pilick/dpa/picture alliance

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