Warum man sich jetzt impfen lassen sollte

Achtung, Zecken-Alarm!

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Steiler Anstieg bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis, auch als FSME bekannt. Heike Stahlhut vom Deutschen Grünen Kreuz macht auch den milden Winter für die steigende Aktivität von Zecken verantwortlich und rät zur Impfung. Von Dirk Beutel

Frau Stahlhut, ist es jetzt nicht zu früh, um vor Zecken zu warnen?

Nein, ganz sicher nicht. Speziell in diesem Jahr bewegte sich die Zeckenaktivität bereits Ende Februar in weiten Teilen Deutschlands auf mittlerem Niveau und aktuell ist die Zeckenaktivität schon sehr hoch!

Die Anzahl der FSME-Erkrankungen hat sich deutschlandweit von 195 im Jahr 2012 auf 420 im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Ist der steigende Trend auch in Hessen zu verzeichnen?

Ja, die Fallzahlen sind im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Im Jahr 2013 hatten wir in Hessen 22 FSME-Fälle, im Jahr 2012 waren es nur 13 Erkrankungsfälle.

Inwieweit hat der vergangene milde Winter Einfluss auf die Zecken?

In Teilen Deutschlands, beispielsweise im Südwesten, waren die Tiere wegen der milden Temperaturen den ganzen Winter über aktiv. Allerdings ist es nicht so, dass in milden Wintern sehr viel mehr Zecken überleben als sonst. Unter einer isolierenden Schneedecke überleben die Tiere auch tiefe Temperaturen sehr gut.

Heißt das, dass 2014 ein Zeckenjahr wird?

Das kann man so nicht sagen. Fest steht allerdings: Der milde Winter und das frühlingshaft-warme Wetter haben dafür gesorgt, dass die Aktivität der Zecken in diesem Jahr schon sehr früh gestiegen ist. Wie das weitergeht, kann man kaum sagen, denn das hängt maßgeblich vom Wetter ab. Die hohe Zeckenaktivität am Ende dieses Winters ist also kein Gradmesser für das zu erwartende Aktivitätsniveau im kommenden Sommer.

Ist die steigende Anzahl von FSME-Erkrankungen ein genereller Trend?

Insgesamt gesehen steigt die Gesamtzahl der FSME-Fälle in Deutschland – betrachtet man die letzten 20 Jahre – ganz langsam kontinuierlich an. Die Zusammenhänge sind hochkomplex, daher kann man dieses Geschehen schlecht auf einzelne Faktoren zurückführen.

Hat dies mit einer steigenden Zeckenpopulation zu tun?

Die Zeckenpopulation ist starken jährlichen Schwankungen unterworfen. Witterungseinflüsse spielen eine Rolle, aber auch die Verfügbarkeit von Wirtstieren, in erster Linie von Kleinsäugern. Und: Je schöner das Wetter, desto mehr Ausflügler zieht es auch in die freie Natur.

Werden Erkrankungen durch Zeckenstiche zunehmen?

Man kann kaum sagen, dass es heute mehr Zecken gäbe als früher, auch zur Durchseuchung von Zecken mit Krankheitserregern lässt sich nicht sagen, ob sie stärker geworden ist. Ganz sicher lässt sich sagen, dass Menschen ab einem gewissen Alter mit zunehmenden Komplikationen durch Zeckenstiche rechnen müssen, weil das Immunsystem nicht mehr so gut funktioniert. Studien haben gezeigt, dass FSME-Patienten jenseits des 50. Lebensjahrs häufiger schwere Verlaufsformen entwickeln als jüngere Patienten. Die Generation 50-plus müsste also besonders auf die FSME-Impfung achten. In vielen Risikogebieten weisen Kinder recht gute Impfquoten auf, Erwachsene jedoch häufig nicht.

Gibt es speziell in Hessen Risikogebiete vor denen sie warnen?

Ja, in Hessen gibt es neun Risikogebiete, dazu gehören unter anderen die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Main-Kinzig und Offenbach sowie die Stadt Offenbach. Der Landkreis Bergstraße war besonders betroffen, von hier wurden sieben der 22 FSME-Fälle aus dem vergangenen Jahr gemeldet.

Wie schützt man sich am besten?

Wirklich sicher schützt nur die FSME-Impfung. Denn der Schutz vor Zeckenstichen an sich ist immer lückenhaft, und die FSME-Viren werden sofort mit Beginn des Saugaktes übertragen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für diejenigen, die in FSME-Risikogebieten leben oder solche Regionen besuchen und sich dort in der Natur aufhalten. Auch Urlauber, die in FSME-Risikogebiete reisen, sollten rechtzeitig geimpft sein. Die Häufigkeit von Impfreaktionen wie Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle bei der FSME-Impfung ist mit einer Tetanus-Impfung vergleichbar. Etwas anderes ist das bei der deutschlandweit vorkommenden Borreliose: Hier bietet ein schnelles Entdecken und Entfernen von Zecken einen besseren Schutz, weil die Borrelien frühestens acht Stunden nach Beginn des Saugens übertragen werden. Außerdem gibt es leider noch keine Impfung gegen Borreliose.

Wo lauern Zecken am häufigsten?

Zecken benötigen eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 80 Prozent. Daher sind sie in Gewässernähe und an Waldrändern besonders häufig zu finden. Wir finden sie aber auch in Wiesen, an Wegrändern und, woran viele nicht denke, auch in Parks oder Gärten. Überall dort, wo es eine Krautschicht gibt, die für eine ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgt und Wirtstieren wie Mäusen Unterschlupf bietet.

Gibt es Vorboten oder Symptome, die mich warnen können?

Wenn es nach einem Zeckenstich zu grippeähnlichen Symptomen mit Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen kommt, sollte eine FSME-Erkrankung in Betracht gezogen werden. Wenn rund um die Einstichstelle eine Hautrötung entsteht, die größer als ein Zwei-Euro-Stück ist und nach außen wandert, ist das ein sicheres Zeichen für eine Borrelien-Infektion. Allerdings tritt diese Rötung manchmal erst Wochen später auf. Daher ist es ratsam, die Einstichstelle etwa zwei Monate im Auge zu behalten. In beiden Fällen muss natürlich sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Wie hoch ist die Gefahr für Haustiere, die sich draußen bewegen?

Auch Hunde können sich eine Borreliose einfangen. Aber im Gegensatz zum Menschen können Hunde gegen Borreliose geimpft werden. FSME spielt bei ihnen keine Rolle, obwohl sie durchaus Antikörper gegen FSME-Viren haben können, was darauf hinweist, dass sie sich mit den Erregern infizieren können. Für Katzen spielen beide Erkrankungen keine Rolle.

Wann endet schließlich die Zeckensaison?

FSME ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Erkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und bei einem Teil der Patienten mit einer Meningoenzephalitis, der Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten, verbunden ist.Die Zeckensaison endet dann, wenn die Temperaturen dauerhaft unter sieben Grad Celsius fallen.

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