Leben im Container auf 15 Quadratmetern

Düsseldorf - Schön sind die genormten Metallkisten nicht: Auf der ganzen Welt werden Frachten in Containern transportiert. 15 Quadratmeter Platz bietet die Box. Das fasziniert Architekten: Sie bauen Häuser aus Containern.

Robust ist der Container, stapelbar und genormt: knapp 2,50 breit, 6 Meter lang und 2,60 Meter hoch. Die Erfindung der Standard-Frachtkiste ist eine Erfolgsstory: Rund 30 Millionen Container schippern heutzutage über die Weltmeere. Auch auf Architekten übt das metallene Sinnbild der Globalisierung eine große Faszination aus. Obwohl der Container gar nicht als Behausung gedacht ist, kann aus der preiswerten Box mit knapp 15 Quadratmetern Fläche ein Heim gebaut werden. Man kann aus dem Container auch ein Geschäft machen oder Büros, Schulen, Studentenwohnheime, Museen, Kinos, sogar ein Zuhause für Waisenkinder oder eine Notunterkunft für Menschen in Katastrophengebieten, die alles verloren haben.

Die Möglichkeiten der Container-Architektur zeigt von Mittwoch an eine Ausstellung im NRW-Forum in Düsseldorf (bis 4. September). 22 Modelle wurden im Maßstab 1:5 für die Schau gebaut. Mehr als 140 Entwürfe wurden ausgewählt - manche utopisch, manche ganz realistisch. Der in Aachen geborene Künstler Stefan Sous etwa hat einen Container verchromt und zu einem Kunstobjekt verwandelt. Die Sportartikelfirma Puma ließ aus 24 Containern ein mobiles Kaufhaus bauen. Und Patrick Pütz hat der raue Charme der Metallkiste zu seinem temporären Museum “100 Jahre St. Pauli“ in Hamburg inspiriert. Teuer ist der Container mit rund 1200 Euro zwar nicht. Jedoch könne der Ausbau zum gemütlichen Wohnheim rund 25 000 Euro kosten, sagt Christof Rose von der Architektenkammer NRW.

Die Box hat weder Schallschutz noch Wärmedämmung. Fenster müssen eingesetzt werden. Bei einem Entwurf der Düsseldorfer Schau sind vom Container nur noch einige wenige Stahlpfeiler übrig, der Rest ist Glas. Anrührend ist der Entwurf des US-Architekten Adam Kalkin für ein ökologisches Waisenhaus im südafrikanischen Soweto. Die Wohncontainer für Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind, sind von einem zeltförmigen Sonnenschutzdach überspannt, auf dem Gemüsebeete angelegt werden. Kalkin hat für die Unesco auch ein mobiles Kindermuseum aus einem überlangen Container entworfen, das den afrikanischen Kontinent durchqueren soll. Der Architekt bewohnt in New York selber einen Container: “Ich mag es“, sagt er. Mit dem Wohnen in Modulen beschäftigten sich bereits die Architekten der Avantgarde in den 1920er Jahren.

Le Corbusier entwickelte später die Idee der gut 13 Quadratmeter großen “Raumzelle“ mit allen zum Wohnen erforderlichen Einrichtungen. Hochhaussiedlungen der 60er Jahre in westdeutschen Großstädten und Plattenbauten im Osten seien allerdings abschreckende Beispiele für modulares Bauen, sagt der Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Hartmut Miksch. Kann der Container also ein Zukunftsmodell der Architektur sein? Das glaubt der Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven nicht. Alle Notwendigkeiten, aber auch “grauenhafte Obszönitäten“ kämen im Container zum Ausdruck, sagt Ingenhoven. Er hat nicht nur das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 entworfen, sondern auch eine Containersiedlung für Menschen in Katastrophengebieten. Zur Bewältigung der globalen Probleme wie der Überbevölkerung und des mangelnden Wohnraums sei der Container nicht geeignet, meint er.

dpa

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