Wikileaks ist überall: Firmen schützen ihr Wissen nicht

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Schon mit einem USB-Stick lassen sich große Datenmengen von einem ungeschützten Firmenrechnern klauen.

Obertshausen – Als Reaktion auf die Wikileaks-Veröffentlichungen hat das US-amerikanische Verteidigungsministerium den Gebrauch von USB-Sticks an Regierungscomputern strengstens verboten. Das rät IT-Sicherheitsexperte Michael Kegelmann aus Obertshausen seinen Kunden schon seit Jahren.  Von Norman Körtge

Was haben geheime Berichte aus US-Botschaften und die Kundendaten von Schweizer-Banken gemeinsam? Sie wurden nicht von Internet-Gangstern geklaut, sondern von Mitarbeitern kopiert und anschließend den Machern der Wikileaks-Internetseite beziehungsweise deutschen Steuerfahndern zugespielt. „Mittlerweile ist die Gefahr größer, dass sensible Daten von Innen nach Außen gelangen, als von Außen geklaut zu werden“, berichtet Michael Kegelmann, dessen IT-Firma ihren Sitz in Obertshausen hat. Allerdings hätten viele Unternehmen und Firmen dafür noch keine Sensibilität entwickelt, meint er. „Das ist wie mit radioaktiver Strahlung. Man sieht die Gefahr nicht“, beschreibt der IT-Spezialist die Situation.

IT-Sicherheitsexperte Michael Kegelmann aus Obertshausen.

Dass die Sicherheitsfrage bei Firmen in der Region nicht die höchste Priorität besitzt, bestätigt auch Klaus Linke, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Offenbach. Die Resonanz auf die alle zwei Jahre stattfindenden Sicherheitstage, bei denen Themen vom Feuerlöscher bis zur Computer-Firewall angesprochen werden, sei sehr verhalten.

Es müsse in die Köpfe, dass der Bürocomputer genauso ein Produktionsfaktor ist wie die Maschine in der Fabrikhalle, sagt Kegelmann. Denn Betriebsgeheimnisse wie spezielle Techniken, Verfahren oder Rezepturen, die früher alleine in den Köpfen der Menschen waren, sind nun auf Festplatten und Servern gespeichert. Gleiches gilt für Kundenlisten.

Damit diese wichtigen Daten auch dort bleiben, gibt es eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen wie etwa die Kontrolle beziehungsweise Sperrung von USB-Anschlüssen, CD/DVD-Brennern, Wi-Fi, Bluetooth oder das Anschließen von Smartphones oder MP3-Playern. Auch müssen die angefertigen Datensicherungen verschlüsselt werden. „Was nützt es, wenn die Zugänge zu den Computern durch Passwörter geschützt sind, die Datensicherungen aber nicht“, sagt Kegelmann. Außerdem könnten alle Druckprozesse protokolliert werden, damit nachvollziehbar ist, wer was gedruckt oder kopiert hat.

Wie oft schon sensible Daten aus Firmen in der Region geklaut worden sind, lässt sich allerdings nicht feststellen. „Mir sind keine Fälle bekannt“, sagt IHK-Sprecher Klaus Linke. Kein Wunder: Denn Unternehmen, die ein Datenleck haben, würden damit sicherlich nicht an die Öffentlichkeit gehen und es zugeben.

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