Wenig Rabatt für viele Infos

Von Norman KörtgeDieburg/Offenbach - Zahlreiche Unternehmen bieten Rabatt- oder Bonuskarten an.

Doch wer eine solche Karte beantragt, gibt oft für magere Preisnachlässe oder Prämien viel zu viele persönliche Information preis - er wird zum gläsernen Kunden, warnen Datenschützer und die Hessische Verbraucherzentrale.

Das Grundprinzip der Kundenkarten ist immer ähnlich. Der Teilnehmer erhält mit jedem Kauf für einen bestimmten Umsatz eine bestimmte Anzahl von Punkten. Später werden sie in Geld- oder/und Sachprämien ausgezahlt.

Ein grundlegender Nachteil der Karten: Der Kunde hört auf, die Preise mit denen der Konkurrenz zu vergleichen. Er schielt nur noch auf die angepriesene Prämie. Außerdem halten Kundenkarten viele Verbraucher vom Aushandeln höherer Rabatte ab. Wer dennoch beim Einkaufen nach Preisnachlässen fragt, wird von Händlern immer wieder mit Hinweis auf den oft mageren Kundenkarten-Rabatt abgewimmelt.

Lohnen kann sich eine Kundenkarte allenfalls in Verbindung mit Sonderaktionen, zum Beispiel mit zusätzlichen Gutscheinen über fünf oder zehn Prozent.

Legt der Verbraucher beim Einkauf seine Kundenkarte vor, ist er nicht mehr anonym. Aus den im Kartenantrag freiwillig gemachten persönlichen Angaben können zusammen mit den Umsatzdaten Nutzungs- oder sogar Kundenprofile erstellt werden.

Je öfter der Kunde die Rabattkarte einsetzt, desto genauer kann sein Konsumverhalten beobachtet werden. Allerdings dürfen solch sensible Daten nicht ohne das Okay des Kunden verarbeitet werden.

Keine Bedenken brauchen Kunden zu haben, wenn sie im Kartenantrag lediglich Name, Adresse und Geburtsjahr (nicht vollständiges Geburtsdatum) preisgeben. Doch schon die Frage nach der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse ist unnötig und bedarf der besonderen Einwilligung des Kunden. Für Marktanalysen und zu Werbezwecken wollen Unternehmen häufig noch weitere Informationen wie Familienstand, Haushaltsgröße, Einkommen, Beruf oder Hobbys wissen.

Welche Ware im Einkaufskorb gelandet ist, geht den Kartenbetreiber dagegen nichts an - es sei denn, der Kunde hat diesem im Antragsformular ausdrücklich zugestimmt.

Bei den vorformulierten Einwilligungserklärungen gilt es besonders aufzupassen. Sie sind nur gültig, wenn sie der Kunde schriftlich absegnet. Dazu muss er extra unterschreiben oder die gewünschte Erklärung ankreuzen.

Tipp: Wer beim Datenschutz auf Nummer Sicher gehen will, sollte die Finger von Rabattkarten lassen.

Kommentare