Für viele chronisch Kranke ist die Zeitumstellung Horror

Von Axel GrysczykOffenbach - Bernd Schwerdtfeger leidet unter der Zeitumstellung. Jedes Jahr wieder. "Ich bin chronisch krank, daher kann ich mich kaum daran gewöhnen", sagt der 62-Jährige, der aufgrund seiner MS-Erkrankung seit 1995 im Rollstuhl sitzt. Mit der am 29.

März begonnenen Sommerzeit leidet der Offenbacher unter zusätzlichen Kreislaufbeschwerden. So wie Schwerdtfeger geht es noch viel mehr Menschen. Laut einer repräsentativen Umfrage lehnen 55 Prozent die Uhrenumstellung ab. In der Altersgruppe der 40 bis 49-Jährigen sind es sogar 77 Prozent.

Für Bernd Schwerdtfeger beginnt jedes Jahr im Frühjahr ein Gewöhnungsprozess an die Sommerzeit. "Und wenn ich mich einigermaßen darauf eingestellt habe, wird die Uhrzeit im Oktober schon wieder umgestellt." Auch seine Lebenspartnerin klagt über neu aufgetretene Kopfschmerzen und ständiger Müdigkeit seit dem Beginn der Sommerzeit. Und das bis zum heutigen Tag - also zwei Wochen nach der Umstellung.

Auch die Krankenkassen beobachten bei ihren Mitgliedern Probleme. Die Techniker Krankenkasse in Hessen teilt mit, dass Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmungen und Appetitlosigkeit aufgrund der Zeitumstellung auftreten können. "Bereits ein paar Tage vor der Umstellung sollten Betroffene etwas später ins Bett gehen und auch die Mahlzeiten später als gewohnt einnehmen. Umfangreiche Abendessen müssen dabei allerdings vermieden werden", gibt Jana Flommersfeld, Sprecherin der Techniker Krankenkasse, Tipps für die nächste Umstellung. Vor allem ältere Menschen und Kinder seien davon betroffen, da sich ihr Organismus schwerer an Zeitumstellungen anpasst. Und eben auch chronisch Kranke. "Das hilft bei mir gar nichts", sagt Schwerdtfeger. Besonders verärgert ist er darüber, dass er sich als einfacher Bürger an niemanden wenden kann. "Wer ist denn für die Zeitumstellung verantwortlich?", fragt er. Schon bei der Einführung der neuen, aktuellen Uhrenumstellung 1980 sei die Bevölkerung in der Mehrheit gegen die Einführung der Sommerzeit gewesen, berichtet er von damaligen Umfragen. Ums Energiesparen allein könne es schon lange nicht mehr gehen. "Da gibt es doch heutzutage schon viel effektivere Methoden", sagt der ehemalige Elektriker.

So muss er die Zeitunterschiede wohl weiterhin aushalten. Schwerdtfeger: "Ich fühl mich bis heute noch jeden Morgen wie erschossen."

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