Der Meister der Klinge

Trend Vollbart: Barbier Ali Yunas gibt Pflege-Tipps  

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Ali Yunas weiß, wie man mit Messer und Klinge umgeht: Der Barbier aus den Staaten rasiert seit zwei Jahren auch in Frankfurt.

Region Rhein-Main – Was haben Brad Pitt, Harald Glööckler und Sean Connery gemeinsam? Sie tragen Vollbart! Und auch bei uns bekennen sich immer mehr Männer zum Wildwuchs. Mit welchen Tricks man diesem Herr wird, verrät Barbier Ali Yunas. Von Angelika Pöppel 

Ja, die Hollywood-Stars haben es wieder einmal vorgemacht. Nachdem auch im letzten prominenten Milchbubi-Gesicht eine üppige Behaarung prangerte, zieht jetzt auch der Normalo nach: Der Vollbart ist Trend. Das kann auch Barbier Ali Yunas bestätigen. Auch wenn er gerne zur Klinge greift, mögen es seine Kunden derzeit lieber haarig. Mehr als Stutzen ist nicht drin. Doch auch dabei gibt es Tricks: „Ein rundes Gesicht kann man optisch verlängern, wenn die Seiten kürzer getrimmt werden und das Barthaar am Kinn länger bleibt“, erklärt der Barbier. Andersrum wird ein ovales Gesicht optisch verkürzt. Der Profi kürzt und stutzt abstehende Barthaare freihändig – das ist nichts für jedermann. Doch Yunas ist geübt. Schließlich rasiert er seit über zehn Jahren. Angefangen hat alles in seiner Heimat in den Staaten. Dort ist der Besuch des „Barber-Shops“ ein Erlebnis. „Mein Vater nahm mich damals schon mit – der Barbier war ein Treffpunkt für jung und alt“, sagt Yunas. Seit zwei Jahren sorgt er im Legends Store von Produzent Hassan Annouri in Frankfurt für den perfekten Schnitt mit der scharfen Klinge. Und er schwört: „Ich habe noch nie jemanden ernsthaft verletzt.“

Heiße Kompresse und Bartöl

Wenn er die Rasierklinge anlegt, trifft der Profi einige Vorkehrungen: Eine heiße Kompresse vor der Rasur macht die Barthaare weicher. Dadurch ist die Rasur der dicken Haare weniger schmerzhaft. Rasierschaum oder -gel bildet auf der Haut eine Schutzschicht, die die Gleitfähigkeit der Klinge erhöht – der Profi setzt auf beides. Und auch wenn nicht rasiert wird, braucht der Bart viel Pflege. Gegen jucken – das dadurch entsteht, dass Pflegeprodukte im Haar zurückbleiben – empfiehlt der Profi eine Wildschweinborstenbürste. Das tägliche Bürsten macht die Haare auch weicher, weil natürliche Fette freigesetzt werden. Spezielles Bartöl versorgt die Haare mit viel Feuchtigkeit.

Und noch ein Tipp für alle, die sich von einem echten Barbier rasieren lassen wollen: Das Erkennungsmerkmal der Shops ist eine rot- blau-weiß gestreifte Leuchtsäule, die natürlich auch an der Wand des stolzen Barbiers Ali Yunas prangert.

Bilder vom Barbier-Besuch

Trend Vollbart: Barbier Ali Yunas verpasst den perfekten Schnitt

Ein Selbstversuch: Redakteur Christian Reinartz legt sich unter sein Messer

Da steht er, ein echter Barbier mit echtem Rasiermesser und jeder Menge Tiegelchen und Tuben. Ali Yunas heißt er und kommt direkt aus Boston, Massachusetts. Wie wird es sich wohl anfühlen, wenn er mit dem scharfen Stahl an meiner Kehle herumschabt? Ich beschließe, Vertrauen zu haben. Fertigrasierer mit Fünfklingen-Technik sind was für Weicheier. Also rauf auf den Stuhl. Der ist schonmal bequem. Erst wird der Bart gekämmt. Das ziept ordentlich. Dann schmeißt Ali den elektrischen Rasierer an. Der surrt leise. Ali bringt meinen Bart frei Hand in Form. Erst die überstehenden Haare, dann die Seiten, dann die Kanten. Ich traue mich nicht zu sprechen. Am Ende hab ich noch ‘ne Kante drin. Dann geht’s in die Horizontale. Erstmal gibt’s eine heiße Kompresse. Um die Haare weich zu machen, sagt Ali. Dann trägt er mit seinen Fingern ein Gel auf. Das soll dafür sorgen, dass die Klinge über meine Haut gleitet, ohne sie zu verletzten. Hoffen wir es! Dann kommt Rasiercreme mit Kokosduft drüber. Riecht zumindest angenehm. Als er dann das Rasiermesser ansetzt, halte ich den Atem an – und merke: Es fühlt sich besser an, als vorm Spiegel zu Hause. Ganz ohne ziepen und Schmerzen. Das kann er schonmal besser als ich. Ali schabt ein bisschen hier, streicht mit der Klingen ein bisschen da. Der Mann scheint zu wissen, was er tut. Und schwups ist mein Hals blitzblank rasiert. Dass es ein bisschen blutet, merke ich nicht. So scharf war die Klinge. Ali tupft ein bisschen Puder drauf. Das brennt höllisch, aber die Mini-Wunde schließt sich sofort. Dann massiert der Meister der Bärte noch etwas pflegendes Öl ein. Als ich in den Spiegel schaue, bin ich beruhigt. Alles sieht aus wie vorher. Nur viel akkurater und ordentlicher, als ich es je selbst hinbekommen habe. Und ich beschließe spontan, den Mann zu meinem Haus- und Hofbarbier zu machen. Danke, Ali!

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