Als die Zecken den Wald verließen: Jetzt krabbeln sie in unsere Stadt

Erst sticht sie, dann saugt sie sich fett und rund: Die Zecke ist mittlerweile auch in Frankfurts Innenstadt (unten) anzutreffen.

Region Rhein-Main – Zecken-Alarm mitten in der Stadt. Jetzt kommen die fiesen Blutsauger auch in unsere Parks und Vorgärten gekrabbelt. Galten bisher  ländliche Gebieten als Zecken-Zone, vermehren sich die Biester nun auch innerhalb Frankfurts rasend. Von Christian Reinartz

Folgt man den Forschungsergebnissen der Spezialisten des bayerischen Landesamts für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit, breiten sich die Zecken nun auch in den städtischen Grünanlagen des Rhein-Main-Gebiets aus.

Nachdem diese bisher als praktisch zeckenfrei galten, kriecht mit den Tieren auch die Angst vor gefährlichen Krankheiten in die Städte. Die Tiere sitzen im Fell von Kaninchen, Füchsen und Ratten. Das weiß der Sprecher des Naturschutzbundes Hessen, Berthold Langenhorst, ganz genau. „Es ist erwiesen, dass mit der steigenden Zuwanderung von Säugetieren in die städtischen Bereiche auch die Zeckenpopulation steigt“, erklärt der Experte. „Fachleute gehen sogar davon aus, dass es mittlerweile in Stadtparks mehr Zecken gibt, als in der freien Natur.“ Das liege daran, dass sich viele Säuger innerhalb der Stadt rasend vermehrten und keine natürlichen Fressfeinde hätten. Ein Paradies für Zecken.

Beim Grünflächenamt Frankfurt will man derzeit nichts von Zecken in den städtischen Parks wissen. Bernd Roser, Leiter der Grünflächenunterhaltung beteuert: „Es gibt keine konkreten Hinweise darauf, dass Zecken sich in unseren Anlagen ausbreiten.“ Auch in Offenbach redet die Stadt die Zeckenplage klein: „Wir haben seit Jahren keine Zecke von unseren Mitarbeitern gemeldet bekommen“, heißt es beim Friedhofsamt.

Glaubt man den Zeckenforschern und dem NABU verschließen die Städte offenbar aus Imagegründen die Augen vor der Zeckenplage.

Dabei können übertragen die kleinen Blutsauger lebensgefährliche Krankheiten übertragen. Etwa die heimtückische Borreliose oder die gefürchtete Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Während die eine, wird sie rechtzeitig erkannt, gut behandelt werden kann, verläuft die andere, die Meningitis, oft schwer. Dauerhafte Lähmungen oder Komplikationen bis hin zum Tod sind möglich.

Berthold Langenhorst hat deshalb kein Verständnis, warum man offiziell lieber keine Zecken in der Stadt haben will. „Man sollte den Menschen lieber die Wahrheit sagen“, mahnt er. „Damit sie sich vor den Tieren schützen können.“

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