Vom Laubhaufen bis zum Rollladenkasten

Tiere suchen ihre Winterquartiere

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Die Igel fressen sich jetzt den notwendigen Winterspeck an, um dann zum Beispiel in Laubhaufen in den Winterschlaf zu gehen.

Sobald es kälter wird, suchen viele Wildtiere die Nähe zum Menschen – unbewusst natürlich. Aber Keller, Dachböden, Rollladenkästen, Laubhaufen im Garten und selbstverständlich die Vogelhäuschen sind wie geschaffen, um gut durch den Winter zu kommen. Von Norman Körtge

Igel: Erst viel fressen und dann ab in die Laubhöhle

Für Igel heißt es derzeit: „Futtern was das Zeug hält“. Denn bis die Temperaturen dauerhaft um den Gefrierpunkt liegen und sich auch die letzten der Tiere zum Winterschlaf zurückziehen, müssen sie sich den notwendigen Fettvorrat anfressen. Als letztes verkriechen sich junge Igel ab Anfang November im Laub. Sie brauchen mehr Zeit als ihre Eltern, um sich ein ausreichendes Winterschlafgewicht anzufressen. Wenigstens 500 Gramm sollte ein junger Igel wiegen, um den ersten Winter aus eigener Kraft zu überstehen. In den kühler werdenden Tagen sind Igel entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten auch tagsüber aktiv. „Die Tiere fressen sich ihren Winterspeck an und legen dabei bis zu 50 Gramm pro Woche zu.

Igeln auf keinen Fall Milch geben

Die Nächte reichen für die Futtersuche alleine nicht aus“, erklärt Gerhard Eppler , Landesvorsitzender des NABU Hessen. Eine zu große Sorge um die Stachelhäuter ist unbegründet. Erst mit einem größeren Kälteeinbruch besteht für untergewichtige oder herumirrende Tiere die Gefahr, für den Winterschlaf nicht ausreichend gerüstet zu sein. Im Zweifel sollte man junge Igel einige Zeit beobachten oder vor Ort mit etwas hingestelltem Hunde- beziehungsweise Katzentrockenfutter unterstützen. Igel dürfen auf keinen Fall mit Milch gefüttert werden. Der Milchzucker führt bei ihnen zu schmerzlichen Koliken und krank machendem Durchfall. Junge Igel können daran sterben. Wenn die Bodentemperaturen langfristig auf null Grad und darunter sinken, ziehen sich Igel komplett zurück. Erst zu dieser Zeit sollten noch herumstreunende Igel, die einen kranken oder untergewichtigen Eindruck machen, aufgenommen und in sachkundige Hände bei Igelstationen oder Tierheimen abgegeben werden. Igeln ist am besten mit einer naturnahen Gestaltung des Gartens geholfen. Ein naturfreundlicher Garten bietet nicht nur gute Versteckmöglichkeiten in Laub- und Reisighaufen, sondern mit Regenwürmern, Schnecken und Käfern auch viel geeignete Igelnahrung. Deshalb: Entweder jetzt die Laubhaufen entfernen oder den Igel das Winterquartier bis zum Frühjahr ermöglichen.

Amseln lieben Rosinen

Vögel dürfen gefüttert werden – aber nur wenn es sehr kalt ist oder Schnee liegt, sagt Berthold Langehorst vom NABU. Bei der jetzigen Witterung finden die Vögel noch jede Menge Nahrung in der Natur wie zum Beispiel Hagebutten. Anders sieht es bei Frost und Schnee aus. Meisenknödel sind eine sehr gute Wahl, bestätigt der NABU-Sprecher. Für Weichfutterfresser wie Amseln, Rotkehlchen und Stare sind Haferflocken und Rosinen eine willkommene Nahrungsquelle. Die Hartfutterfresser wie Finken und Spatzen lockt man zum Beispiel mit Sonnenblumenkernen ins Futterhäuschen.

Siebenschläfer auf dem Dachboden

Siebenschläfer kommen auch gerne auf dem Dachboden.

Für Siebenschläfer und Steinmarder sind Häuser nichts anderes als Felsen mit gut geschützen Nischen und Unterschlupfmöglichkeiten. Ideal für den Winterschlaf. Wer keine tierischen Untermieter im Winter auf dem Dachboden haben möchte, der sollte jetzt alle Spalten und Öffnungen zu machen. Und wenn sie sich doch irgendwo im hintersten Winkel einquartiert haben, dann merken es die Menschen meist gar nicht, weiß Berthold Langenhorst vom NABU Hessen.

Frühlingsboten im Keller

Ein Kleiner Fuchs: Nach dem Winter sind sie die ersten Frühlingsboten.

Auch Insekten suchen mit der kühler werdenden Witterung gezielt die Nähe von Menschen beziehungsweise deren Keller auf. Zum Beispiel Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs und das Tagpfauenaugen. Sie überwintern als Falter, in dem sie sich einfach an eine Wand oder ähnliches hängen und in eine Kältestarre fallen. Es sind Orte, die nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm sind. „Sie tuen nichts“, sagt NABU-Sprecher Langenhorst und bittet deshalb auch Hausbewohner darum, die Tiere einfach hängen zu lassen. Wenn sie nach dem Winter nach draußen flattern, sind sie die ersten Frühlingsboten. Glückssymbole sind die Marienkäfer, die ebenfalls in eine Kältestarre verfallen und sich dazu unter anderem gerne Rollladenkästen aussuchen. Auch für sie gilt: Es darf nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt sein.

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