Wildschwein-Attacke: Versicherung zahlt Schaden nicht

Die Spuren der Wildschwein-Attacke sind immer noch sichtbar. Nur behelfsmäßig hat Brunhilde Doleschal die im Wohnzimmer-Teppich eingetrockneten Blutflecken abgedeckt. Auch an einigen Stellen der Tapete sind noch Blutspuren zu sehen. "Ich habe bisher lediglich die Terrassentür reparieren lassen.

Das musste ja sein", erzählt die 68-Jährige.

Die Rentnerin stand am 19. Januar in der Küche ihres Hauses in Groß-Umstadt als sie lautes Klirren hörte. Erschrocken schaute sie ins Esszimmer und sah die zerbrochene Scheibe der Terrassentür. Ihr Blick schweifte weiter ins Wohnzimmer, wo ihr plötzlich ein Wildschwein in die Augen schaute. "Ich bin dann aus dem Haus gerannt", berichtet Doleschal. Ein Nachbar informierte Polizei und Jagdpächter Hans Kropf.

Doch als Kropf eintraf und das Haus betrat, war das Wildschwein schon wieder verschwunden. "Wahrscheinlich ist das Tier von irgendetwas aufgescheucht worden und war auf der Suche nach einem Versteck", mutmaßt der Jäger. Zwar habe sich das Schwein beim Sprung durch die Glasscheibe verletzt, allerdings nicht schwer, meint er.Die Reparatur der Tür kostete rund 300 Euro. Hinzu kommen laut Kostenvoranschlag für das Renovieren von blutverschmierten Wänden und Boden sowie Gardinen weit mehr als 2000 Euro. Aber ihre Versicherung, die Vereinigte Postversicherung (VPV), lehnt ab, da lediglich Gefahren wie Feuer, Einbruch-Diebstahl, Wasserschäden und Sturm versichert sind. Selbst bei einem Vandalismusschaden müsste dieser durch einen Menschen verursacht worden sein, erklärt VPV-Pressesprecher Heiko Scharrer. "In unseren Produkten ist solch ein Fall nicht bedacht â?? das ist eine Versicherungslücke", sagt er. Katrin Rütter vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft meint, dies sei ein "singuläres Ereignis" und daher nicht in Standard-Versicherungen erfasst.

Dass solche Fälle keine Seltenheit sind, zeigt der Vorfall in Maintal im August vergangenen Jahres, über den der EXTRA TIPP ausführlich berichtete. Dort war ebenfalls ein Wildschwein in ein Haus eingedrungen und hatte es verwüstet. Förster und Jäger klärten damals schon über die massenhafte Vermehrung der Wildschweine auf â?? begünstigt durch Nahrung im Überfluss und fehlende natürliche Feinde. Damit die Tiere nicht sinnlos abgeknallt werden müssen, forderten sie einhellig: "Esst mehr Wildschwein."

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