Wenn Herrchen trauern: Letzte Ruhe in der Urne

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Hans-Peter Clieves mit einer kleinen Auswahl an Urnen für Haustiere.

Friedrichsdorf – „Wir helfen, wenn Freunde gehen“ lautet das Credo von Tierbestattungen Anubis. Der 1997 gegründete Betrieb mit Sitz inKöppern bietet Tierbesitzern einen würdigen Abschied von ihren Lieblingen an. Ein schwieriger und schmerzvoller Gang, wie Hans-Peter Clieves, Partner Rhein-Main-Nord, aus eigener Erfahrung weiß. Von Jörn Polzin

Gefäße, wohin das Auge reicht. In verschiedenen Farben, Mustern und Größen. Kreativ, handgefertigt oder eher schlicht. Wenn es sich nicht um Urnen für Tierbestattungen handeln würde, hätten Kunstliebhaber ihre Freude daran. So schwingt beim Betrachten eine große Portion Wehmut mit. Es ist nur eine kleine Auswahl an Urnen, die das Regal in der Köpperner Anubis-Zentrale füllen. Die Füllmenge reicht von einem Liter bis zu 80 Kilogramm. „Vom Wellensittich bis hin zum Bernhardiner“, ergänzt Hans-Peter Clieves. Im Gegensatz zu menschlichen Bestattungen kommen Einäscherungen bei Tieren häufig vor. „95 Prozent sind Einäscherungen, der Rest Erdbestattungen“, sagt Clieves.

Der Frankfurter weiß genau, was in den Köpfen der Tierfreunde vor sich geht. Clieves ist Hundebesitzer, war selbst früher Kunde bei Anubis. „Der Vorbesitzer hatte nicht mehr die Möglichkeit, der Arbeit richtig nachzugehen. Als ich gehört habe, dass Schluss sein soll, habe ich nicht lange gezögert und das Geschäft übernommen“, erzählt der 63-Jährige.

Letzte Ehre für das geliebte Haustier

Das war vor sechs Jahren. Seitdem trägt Clieves die Verantwortung für die Region Rhein-Main-Nord, pendelt zwischen den beiden Geschäften in Köppern und Frankfurt-Zeilsheim. Clieves kennt die Ängste und Sorgen seiner Klienten. „Am schwierigsten ist es, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um das Tier zu erlösen“, sagt er. Der Bestatter steht den Tierfreunden bei. Das sei Teil der Sozialarbeit, die den Job ausmache. Die Anubis-Mitarbeiter holen das verstorbene Tier auf Wunsch beim Besitzer ab. „Unser Ziel ist es, spätestens zwei Stunden nach Anruf vor Ort zu sein“, sagt Clieves. In Kühltruhen werden die Tiere gelagert, ehe die Bestatter sie zum Krematorium „Himmelswelt“ nach Heilbronn transportieren. Zuvor haben die Besitzer Zeit, sich von ihren Lieblingen zu verabschieden. Für die letzte Andacht steht eigens ein Trauerzimmer zur Verfügung. Nach der Feuerbestattung holen die Mitarbeiter die Asche ab und bringen sie den Besitzern – samt Bestätigung. „Die Menschen sollen sehen, dass wir unseren Auftrag erfüllen und ihr Tier nicht in einer Verwertungsanlage landet“, betont Clieves.

Was mit der Asche passiert sei alleine Sache der Besitzer. Einige begraben sie mit einer Urne im Garten, andere stellen sie in die Wohnung. „Es gibt bei Tierbestattungen kein Gesetz, das verbietet, die Asche zu verstreuen“, erklärt Clieves. Auch bei einer Erdbestattung gibt es wenige Einschränkungen. „Das ist fast auf allen Grundstücken erlaubt“, sagt Clieves. Bis zu 80 Tiere – zumeist Hunde oder Katzen – nimmt der Bestatter im Monat auf. Wenige finden auf den Tierfriedhöfen die letzte Ruhe. Da die Friedhöfe nicht von Gemeinden, sondern von ehrenamtlich arbeitenden Tierschutzvereinen betrieben werden, mangelt es dort an Personal. „Da bleibt auch viel an uns hängen.“

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