Wenn Bello in die Jahre kommt

+
Dr. Anders Behrend hört das Herz des zwölfjährigen Dobermann-Mischlings Baku ab. Weil Haustiere immer öfter altersbedingt erkranken, wird die Vorsorge immer wichtiger.

Region Rhein-Main – Der demografische Wandel setzt auch bei Haustieren nicht aus: Die tierischen Mitbewohner werden immer älter und leiden deshalb immer öfter an altersbedingten Krankheiten. Allerdings gibt es kaum eine, die mittlerweile nicht behandelt werden kann. Von Silke Gottaut und Dirk Beutel

Mit ihren dunkelbraunen Augen kann die schwarze Hündin Luna mal entspannt durch die Gegend schauen. Die siebenjährige Vierbeinerin liegt auf einer Magnetfeld-Matte und genießt die Massage von Tierphysiotherapeutin Heike Krienke in deren Praxis in Eschborn. Doch das Kneten ist nicht zum Spaß: Der „Flat coated mix“ hat Schmerzen in der Hüfte und Probleme mit der Wirbelsäule. Luna leidet an einer Spondyolose, einer krankhaften Veränderung der Wirbelsäule, und an einer Hüftdysplasie, einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks.

Diabetes, Krebs, Rheuma, spröde Knochen, Schwerhörigkeit oder Demenz: Immer öfter erkrankt der beste Freund des Menschen an den Folgen des Älterwerdens. „Bei Haustieren hat sich längst ein demografischer Wandel vollzogen“, sagt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte.

Weil Luna Schmerzen in der Hüfte und der Wirbelsäule hat, braucht die siebenjährige Hündin regelmäßige Massagen und Bewegungsübungen.

Gesünderes Futter, bessere Pflege und mehr Möglichkeiten in der medizinischen Behandlung machen es möglich, dass auch immer mehr Kleintiere ein hohes Alter erreichen. Und immer öfter an Altersgebrechen leiden. Bei Hunden nicht zuletzt, weil sie auch eine andere gesellschaftliche Funktion einnehmen als früher: „Da waren Hunde nur Nutztiere. Heute werden sie behandelt wie ein Familienmitglied. Manchmal nehmen sie sogar die Rolle als Partnerersatz ein“, sagt Behr. Vor allem größere Hunderassen wie der Labrador, Berner Sennenhund oder der Schäferhund quälen sich meist mehr, als ihre kleineren Artgenossen. „Im fortgeschrittenen Alter degenerieren die Knochen und verlieren ihre Stabilität. Bei größeren Hunden kann dann eine größere Belastung zum Problem werden“, sagt Dr. Anders Behrend, Chirurg in der Frankfurter Tierklinik am Stadtwald.

Den besten Freund auf Herz und Nieren untersuchen

Die Praxis ist international anerkannt für viele klinische Eigenentwicklungen von künstlichen Gelenken wie Hüftgelenksprothesen, künstlichen Kniegelenken und neuen chirurgischen Verfahren. Dazu zählen auch spezielle Verfahren bei Arthrose, Kreuzbandriss oder Hüftdysplasie beim Hund. Allerdings relativiert Behrend: „Was Knochenleiden angeht, sind es gar nicht so sehr alte Hunde, die zu uns kommen. Vielmehr Tiere im Alter zwischen vier und sieben Jahren.“ Oftmals hänge dies mit einer schlechten Zuchtlinie zusammen.

In jungen Hundejahren sei eine Operation, eventuell eine Hüftgelenk- oder Kniegelenkprothese, für ein schmerzfreies Leben sinnvoll. Bei älteren Hunden spiele nicht selten der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle: Eine Hüftgelenk-Prothese kostet etwa 3000 Euro, eine für das Knie sogar bis zu 4000 Euro. Stattdessen wird das Tier alternativ mit Medikamenten behandelt.

Aber nur mit einer Operation oder Therapiestunden ist es nicht getan. „Die Besitzer müssen zu Hause mit ihrem Tier trainieren, damit der erreichte Zustand erhalten bleibt“, sagt Tierphysiotherapeutin Krienke. Nur so kann das Tier im Alter fit bleiben. Ein 16-jähriger Pudel, der eine Kreuzband-Operation hatte, ist so wieder auf die Beine gekommen. Doch zu solchen Maßnahmen muss es gar nicht erst kommen: „Immer mehr Hundebesitzer gehen regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen und lassen ihr Tier mindestens einmal im Jahr auf Herz und Nieren untersuchen“, sagt Astrid Behr.

Kommentare