Unfall seines Katers kostet ihn 1.200 Euro

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Patrick Krämer hält seine Katze Wicky in den Armen. Beide hoffen, dass es dem schwer verletzten Kater Snape bald besser geht.

Offenbach – Lautes Katzen-Geschrei im Treppenhaus: Um sieben Uhr wird der Offenbacher Patrick Krämer vor einer Woche von seinem Kater Snape aus dem Schlaf geholt. Der windet sich vor Schmerzen. Ein Autofahrer hat ihn vor einer Woche in der Konrad-Adenauer-Straße angefahren. Was Patrick Krämer in diesem Moment noch nicht ahnt: Das wird ihn 1.200 Euro für eine Operation kosten. Von Jennifer Dreher

Das rät Tierklinik-Leiter Dr. Thomas Trillig:

„Ich empfehle jedem Tierbesitzer eine Versicherung bei einer Tierkrankenversicherung abzuschließen. Zumindest jeder, der sein Tier im Freien laufen lässt, sollte eine OP-Versicherung abschließen. Für einen kleinen Aufschlag erhält man noch eine Haftpflichtversicherung. Bei jedem Unfall, in den ein freilaufendes Tier verwickelt ist, haftet immer der Tierbesitzer, zum Bespiel für Schäden an PKWs oder auch bei einem Sturz eines Fahrradfahrers. Die Beiträge liegen zwischen 20-30 Euro im Monat.“

Für viele Tierbesitzer bedeutet ein solcher Unfall eine finanzielle Belastung – besonders für diejenigen, die ohnehin wenig Geld zur Verfügung haben. „Leider besteht dann oft der Wunsch der Besitzer, die Tiere einzuschläfern, da eine optimale medizinische Versorgung nicht gegeben ist“, weiß Tierklinik-Leiter Dr. Thomas Trillig aus Obertshausen. In seiner Klinik liegt auch Kater Snape mit zwei gebrochenen Beckenschalen. Am Dienstag wurde er dort operiert.
Mit den Kosten für den Eingriff steht Tierhalter Krämer allein da. „Eine allgemeine Anlaufstelle, die verpflichtet ist, den Tierhalter zu unterstützen, gibt es nicht. Selbstverständlich helfen oft die Tierschutzvereine vor Ort nach ihren Möglichkeiten“, berichtet Melanie Schicht vom Deutschen Tierschutzbund. Eine Behandlungspflicht bestehe nicht.

Wer nicht zahlen kann, muss sein Tier abgeben

Krämers Kater Snape.

Damit die Tiere trotzdem ärztlich versorgt werden, gibt es in Obertshausen einen Abgabevertrag. „Die Tiere werden dann auf unsere Kosten versorgt und auch weiter vermittelt“, sagt Trillig. Damit erspare die Klinik ihnen das Schicksal, eingeschläfert zu werden. Auf den Kosten, im vierstelligen Bereich allein in diesem Jahr, bleibt die Klinik sitzen. Denn Unfalltiere gehören, so Trillig, zum Alltag. Täglich werden welche in seine Klinik eingeliefert.

Krämer, Fahrer bei einer Speditionsfirma, konnte die Operation für Kater Snape nur sofort zahlen, weil er sein neues Auto zurückgegeben und die Anzahlung zurückbekommen hatte. „Ich weiß nicht, wie Menschen, die keine Arbeit haben, so etwas bezahlen“, sagt Krämer. Auch bei ihm gebe es eine Grenze, ab der er seinen Kater hätte abgeben müssen.

Der 30-Jährige hofft, dass der Unfallfahrer sich ein Herz fasst und sich beim EXTRA TIPP meldet. Das gilt auch für alle anderen Tierliebhaber, die ihn unterstützen wollen.

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