Dabei ist Markus Walters Hündin nur ein Boxer-Mischling

Trotz DNA-Gutachten: Stadt verlangt Kampfhundesteuer wegen der Optik

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Markus Walter versteht die Stadt nicht: Trotz DNA-Gegenbeweis fordert die Stadt Kampfhundesteuer für Hündin Myra.

Frankfurt – Der schwerbehinderte Dialyse-Patient Markus Walter soll für seine Mischlings-Hündin Myra Kampfhundesteuer zahlen, obwohl per DNA-Untersuchung ausgeschlossen wurde, dass sie ein Listenhund ist. Die Begründung des Ordnungsamtes: Sie sieht wie einer aus! Von Christian Reinartz

Für mich war das wie ein Schlag vor den Kopf“, sagt Markus Walter. Mittlerweile hat er 400 Euro Kampfhundesteuer und 250 Euro Karteigebühren an die Stadt gezahlt. „Sonst hätten die mir Myra weggenommen“, sagt er verzweifelt. Walter ist zwar erst 34 Jahre alt, doch seine Diabetes-Erkrankung hat ihm die Augen kaputt gemacht. Dazu funktionieren seine Nieren nicht mehr. Er muss dreimal am Tag an die Dialyse. Die übrige Zeit sitzt er in seiner Wohnung. Nur Hündin Myra leistet ihm Gesellschaft. „Ich brauche meine Kleine doch. Sie ist alles, was ich habe“, sagt er und gibt Myra im Garten der Wohnanlage ein Leckerchen. Liebevoll schleckt sie an der Hand ihres Herrchen. „Ich brauche sie“, sagt er ganz leise: „Nur deswegen habe ich bezahlt.“

Warum man im Ordnungsamt davon ausgeht, dass Myra ein Kampfhund ist, kann aber auch Walter verstehen. Die Hündin ist kraftvoll und bullig, hat ein extrem großes Maul. „Sie ist eben eine Mischung aus einer Englischen Bulldogge und einem Boxer“, erklärt er. „Aber im Amt haben die einfach American Pitbull reingeschrieben und einen Wesenstest angeordnet.

Auf 100 Hunderassen untersucht

Den besteht Myra mit Bravour. Und Walter will schnell den vermeintlichen Amts-Irrtum durch ein DNA-Gutachten ausräumen. Die Herkunfts-Bescheinigung des Züchters alleine reicht dem Ordnungsamt nicht.

Von einer Tierärztin lässt Markus Walter einen Abstrich machen und lässt ihn zu einem Bad Homburger Labor schicken. Dort wird die Probe auf an die 100 Hunderassen untersucht. Ergebnis: Myra ist eindeutig eine Mischung aus Englischer Bulldogge und einem Boxer.

Im Ordnungsamt gibt man auf solche Gutachten nichts, zweifelt sogar deren Aussagekraft an. „Uns reicht der optische Eindruck aus“, verteidigt Ordnungsamtssprecher Ralph Rohr die Entscheidung seiner Behörde. Demnach spiele es keine Rolle, ob per DNA-Analyse die Herkunft nachgewiesen werde. „Unser Gutachter ist zu der Auffassung gekommen, dass Myras Aussehen Züge eines Kampfhundes hat.“ Deswegen würde sie auch als ein solcher eingestuft. Das sei die hessische Gesetzeslage. Deswegen wird Myra weiter als American Pitbull geführt.

Dabei findet sich im Gutachten, dass auch der Stadt vorliegt, der eindeutige Hinweis, dass American Staffordshire, English Bullterrier und American Pitbull nicht enthalten sind.

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