Todesfalle Netz: Wo Frankfurts Tauben qualvoll sterben

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Gudrun Stürmer prangert Tierquälerei an.

Frankfurt – Sie sind die unbeliebtesten Tiere der Stadt: Tauben. Nägel, Drähte und Netze sollen die Vögel fernhalten von Gebäuden. Für Tierschützerin Gudrun Stürmer sind vor allem die Netze ein Unding: Denn darin würden die Tiere häufig qualvoll verenden. Erlaubt sind sie trotzdem. Von Julia Renner

Gudrun Stürmer, die Gründerin des Stadttaubenprojektes Frankfurt, kann verstehen, dass die Leute ihre Gebäude vor Verschmutzung schützen wollen. Eins müsse jedoch klar sein: „Das darf nicht in Tierquälerei ausarten.“

An so manchen Gebäuden hat Stürmer jedoch genau solche Quälereien ausgemacht. An einem Haus an der Bockenheimer Warte beispielsweise. Dort liege seit Tagen eine tote Taube auf einem Fenstersims – aufgespießt von Spikes.

So nennen sich die Metallstäbe, die ebenso erlaubt sind wie Netze: „Das sind offizielle Vergrämungsmaßnahmen“, sagt Ralph Rohr, Sprecher des Frankfurter Ordnungsamtes. Jeder Hausbesitzer könne die anbringen. Bei Netzen sei allerdings auf die Maschenweite zu achten. „Wenn Tauben darin zu Schaden kommen, kommt das Veterinärwesen ins Spiel.“ Kontrolliert werden die Netze allerdings nicht.

Singvögel sterben in Taubenfallen

Auch wenn solche Maßnahmen rechtlich erlaubt sind – „wenn Tiere gequält werden, kann ich als Tierschützerin nicht dafür sein“, sagt Marion Thiel, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Frankfurt und Umgebung. Dass etwas getan werden muss, weiß aber auch Thiel: „Tauben hinterlassen viel Dreck. Das weiß jeder und das muss man nicht schönreden.“

Oft verheddern sich Tauben in Netzen an Häusern und sterben sogar teilweise qualvoll.

Gudrun Stürmer setzt auf Taubenhäuser. Drei hat sie in Frankfurt bereits mit anderen Vereinsmitgliedern aufgestellt. Dort werden die Tiere artgerecht gefüttert und die Eier durch Gips-Modelle ersetzt, damit sich die Tiere nicht weiter vermehren.

Trotzdem sterben jeden Tag Tiere in Netzen. Und nicht nur Stürmer sind die brutalen Taubenfallen in Frankfurt aufgefallen, sondern auch anderen EXTRA-TIPP-Lesern. Am Hauptbahnhof beispielsweise, wo seit Tagen tote Tauben in Netzen hängen. Oder an der Südseite des Doms. „Dort haben sich kleine Singvögel in Netzen verfangen und sind gestorben“, sagt Klaus S. Die Dompfarrei, das Veterinäramt und das Bürgertelefon hat er deshalb schon angerufen. Passiert ist nichts.

Dem EXTRA TIPP gegenüber sagt Dombaumeister Robert Sommer: „Singvögel sind immer durch die Netze rein und raus gekommen. Das war nie ein Problem.“ Als Sommer von den kleinen Vögeln gehört hat, hat er sofort eine Vergrämungsfirma beauftragt. Die hat nicht nur die toten Vögel geborgen, sondern auch für entsprechende Abdichtungen gesorgt, damit die kleinen Tiere nicht mehr durch die Netze gelangen.

Viel fressen, oft brüten

Das Tauben-Problem bleibt jedoch. Dass es überhaupt so viele Tauben in Frankfurt gibt, ist auch die Schuld der Einwohner. Denn die Tauben stürzen sich auf weggeworfene Essensreste, viele Leute füttern die Tiere gar, obwohl das verboten ist. Weil die Tiere so viel fressen, brüten sie auch häufiger.

„Die Disziplin der Leute ist gefragt“, sagt Dr. Klaus Richarz, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in Frankfurt. „Finger weg vom Taubenfüttern“, betont er.

Einen Königsweg, den Bestand in den Griff zu bekommen, gebe es nicht, sagt Experte Richarz. Sinnvoll findet der Fachmann, „stadtteilweise gute Bedingungen für Tauben zu bieten“, beispielsweise in Taubenhäusern, und die Eier auszutauschen. „Man muss eine Lösung finden, die den Gebäuden und den Tieren gerecht wird“, betont Tierschützerin Gudrun Stürmer.

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