Durch Flucht oder Aussetzung eingewandert

Auch Frankfurts Tiere sind multikulti

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Neu in der Stadt: Die Nutria Wanderratte mit den auffälligen gelben Forderzähnen (von links), die Rotwangenschildköte, Nilgänse, der Waschbär und der Mink.

Region Rhein-Main – In Frankfurt und Umgebung wird es immer multikultureller: Tiere aus Alaska, Kanada und Südamerika siedeln sich am Mainufer und an der Nidda an. Doch Waschbär und Co. vertreiben die einheimischen Artgenossen. Von Angelika Pöppel

„Ein riesen Problem ist die Rotwangenschildkröte“, sagt Christa Mehl-Rouschal vom Frankfurter Umweltamt. Denn die ansehnlichen Schleicher fressen alles was ihnen über den Weg läuft. Übrig bleibt ein toter Teich. „Anfangs sind sie so groß wie ein Fünf-Markstück, später wie ein Tortenboden“,berichtet Mehl-Rouschal. Die Schildkröten werden oft in der Tierhandlung gekauft und dann ausgesetzt. Sie können besser überleben, als die einheimischen Schildkröten und verbreiten sich rasend.

Auch die südamerikanische Nutria Wanderratte verdrängt ihre kleineren, heimischen Artgenossen – die Bisamratte. Ausgewachsen wiegt die Nutria bis zu zehn Kilogramm. Ihren Weg nach Deutschland fanden die Nager über Pelztierfarmen: Immer wieder büchsten die Tiere aus, die wegen ihres schönen Fells gejagt wurden. Die bieber-ähnlichen Pflanzenfresser haben sich schnell an die neue Umgebung gewöhnt und sind vermehrt an der Nidda zu finden.

Aus der Zucht geflüchtet

Genauso wie die Wanderrate flüchtete auch der Mink, ein amerikanischer Nerz, aus der Zucht und ist deshalb auch heute in Frankfurt zu Hause. Sie fressen Bisamratten, Mäuse, Hasen und rauben Vogel- und Entennester aus. Ein weiterer Gefangenschaftsflüchtling ist der nordamerikanische Waschbär. Durch seine Flucht vor vielen Jahren aus Pelztierfarmen, ist er auch in Europa angekommen. In Hessen wurden zwei Pärchen 1934 am Edersee ausgesetzt. Heute sind es nach Schätzungen bundesweit etwa 500.000 Tiere. Laut Umweltamt werden in Hessen jährlich 10.000 Tiere erlegt. „In Frankfurt ist er noch vergleichsweise selten und noch nicht auffällig, kommt aber vor“, sagt Mehl-Rouschal.

Die afrikanische Nilgans ist dagegen in Frankfurt etabliert und sehr präsent am Mainufer. Sie verdrängt die heimische Stockente.„Nilgänse sind aggressiver und größer“, erklärt Christoph von Eisenhart, Landesgeschäftsführer von der Schutzgemeinschaft deutscher Wald. Nach Deutschland kamen die Vögel, durch Aussetzungen und Flucht aus Geflügelfarmen. „Sie werden zum Teil zu einer Plage“, sagt Mehl-Rouschal. Denn die vielen Tiere verdrecken das Mainufer mit ihrem Kot.

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