Tierheimleiterin auf Veterinäramt sauer

Acht vernachlässigte Pferde und Ponys stehen knöcheltief im eigenen Mist, ein Pony liegt tot in seiner Box, drei abgemagerte Hunde vegetieren in einem dunklen Verschlag vor sich hin. Hinzu kommen zwei Ziegen.

Eine schreckliche Szenerie, die sich Kristin Höfer bietet, als sie samstags die Hofreite bei Groß-Umstadt betritt. Sie war zu einem Tierschutz-Notfall vom Veterinäramt hinzugerufen worden.

"Die Hunde und die Ziegen hat der völlig überforderte Besitzer freiwillig abgegeben", berichtet Höfer. Doch dann passiert, was die Tierschützerin immer noch in Rage bringt. Andreas Schweigmann, Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Darmstadt-Dieburg, lehnt es ab, die Pferde zu beschlagnahmen. "Er hat gesagt, er hätte schon Schlimmeres gesehen", berichtet Höfer: "Das ist an Sarkasmus nicht mehr zu überbieten." Zumal die ebenfalls anwesende leitende Amtstierärztin der Stadt Darmstadt, Karin Jung, dies so nicht entschieden hätte, wie Höfer berichtet.

Die Tiere ihrem Schicksal überlassen wollte Höfer aber nicht. Mit 500 Euro kaufte sie sechs Pferde frei. "Zwei konnten wir leider nicht befreien", sagt sie.Da die Pferde nicht beschlagnahmt wurden, trägt das Tierheim nun die teuren Arztkosten. "Die ersten Untersuchungen ergaben massivste Verwurmung, Pilzbefall, beginnende Hufrehe und Huffäule", berichtet Höfer. Ein Pony muss in einer Pferdeklinik behandeln werden. Alle Tiere von der Hofreite sind auf teures Spezialfutter angewiesen, um sie wieder aufzupäppeln.

Wären die Pferde beschlagnahmt worden, hätte der Kreis Darmstadt-Dieburg die Tierarztkosten übernehmen müssen. Höfer hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde auf den Weg gebracht.

Schweigmann selbst argumentiert, dass er sich am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit orientiert hat. Eine direkte Gefahr für das Leben der Tiere habe nicht bestanden, die Mängel wären kurzfristig abstellbar gewesen. "Hätte der Tierbesitzer bei der Nachkontrolle am Montag die Auflagen nicht erfüllt gehabt , hätte eine Beschlagnahme der Tiere auf rechtlich einwandfreier Basis erfolgen können", schreibt der Veterinär in einer Stellungnahme. Bei einer Beschlagnahmung wären die Tiere außerdem nicht ins Tierheim, sondern auf einen bereits vorsorglich informierten Bauernhof gebracht worden.

Nichtsdestotrotz: Das Tierheim such nun Paten für die geschundenen Tiere. Diese erfreuen sich laut Höfer zunehmend ihrer neuen Freiheit: "Die Ponys haben freien Zugang auf eine Koppel. Anfangs trauten sie sich gar nicht in den Stall zurück. Zu groß war wohl die Angst, dass der Stall verschlossen wird und sie wieder eingesperrt sind." Wer helfen möchte, kann sich unter S  (06151)  891470 oder im Internet unter www.tsv-darmstadt.de informieren.

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