Besitzer versuchen sich zu drücken

Tierheime müssen auf Abgabegebühr bestehen -  mehr ausgesetzte Tiere befürchtet

Region Rhein-Main – Tierheimen steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Futter und Tierärzte werden teurer, Spenden werden weniger. Die Folge: Wer sein Haustier in einem Heim abgibt, muss eine Gebühr zahlen. Doch Tierschützer fürchten, dass dadurch noch mehr Tiere ausgesetzt werden. Von Silke Gottaut

Die drei Monate alte Nele wurde von seinem Herrchen im Frankfurter Tierschutzverein abgegeben. Tierpflegerin Elvira Löw kümmert sich um die Labrador-Hündin.

Wenn jemand skrupellos ist, dann setzt er sein Tier so oder so aus“, sagt Sabine Stärkel, Leiterin des Frankfurter Tierschutzvereins: „Eine Gebühr spielt da keine Rolle.“ Stärkel ist vielmehr überrascht, dass es noch ein paar wenige Tierheime ohne eine Abgabegebühr gibt: „Ich wundere mich, wie sie das bis jetzt finanziell geschafft haben. Wir können uns grade so über Wasser halten.“ Ein Hund kostet im Tierheim etwa 25 Euro pro Tag. Wenn er von seinem Besitzer ungeimpft abgegeben wird, beträgt die Abgabegebühr 72 Euro. Im Vergleich dazu ein lächerlicher Betrag. Jedoch versuchen immer mehr Tierbesitzer, sich davor zu drücken, nicht zu zahlen, berichtet Stärkel. Deswegen werden die Tiere als Fundtiere abgegeben, weil dann keine Abgabegebühr fällig wird. Aber es gibt auch reumütige Herrchen: Erst vor zwei Wochen erlebte Stärkel so eine Situation bei der kleinen Hündin Nele.

Die schwarz-weiße Labrador-Hündin ist gerade einmal drei Monate alt und wurde schon als angebliches Fundtier abgegeben. „Ihr Herrchen sagte, er habe sie gefunden“, erzählt Tierpflegerin Elvira Löw. „Ich habe gleich gemerkt, dass das nicht stimmt.“ Löw arbeitet seit 17 Jahren als Tierpflegerin: „Ich erkenne sofort, ob Herrchen oder Frauchen die Wahrheit sagen.“ Und sie hatte Recht. Ein paar Tage später kam der Besitzer beschämt vorbei und zahlte nachträglich die Abgabegebühr.

Auch wenn viele Besitzer ihr Tier herzlos abgeben, wollen sie jedoch, dass es ihm gut geht. Lieber geben sie es als Fundtier ab, um nicht zahlen zu müssen, als es auszusetzen. Das bestätigt auch die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin: „Es gibt wesentlich mehr Fundtiere, als früher.“ Dass durch die Abgabegebühr mehr Tiere ausgesetzt werden, ist bislang nicht der Fall. „Die meisten Tierheime haben die Gebühr schon seit Jahren. Ohne sie würden die Tierheime insolvent gehen.“

So ist auch die Lage im Tierschutzverein Offenbach: „Wir kommen grade so zurecht. Ohne die Gebühr wäre das gar nicht möglich“, erklärt Jürgen Eichenauer. Auch Nicole Vorlauf, Leiterin des Tierheims Hochtaunus in Oberursel, weiß wie wichtig die Abgabegebühr ist: „Hätten wir sie nicht, wären wir schon pleite.“ Dass einige Besitzer jedoch schummeln, weiß sie: „Sie lügen lieber und geben es als Fundtier ab. Aber sie setzen sie nicht aus. Immerhin. Die Strafgebühr für ein ausgesetztes Tier bis zu 25.000 Euro schreckt zum Glück doch noch viele ab.“

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