Geiz ist nicht immer geil:

Tierarzt schlägt Alarm: Spart Bello nicht kaputt!

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Chirurgie, Ultraschall, EKG: Obwohl es für Tierarztpraxen keine Qualitätsauflagen gibt, ist die von Klaus Sperling ausgestattet wie eine Klinik.

Region Rhein-Main – Tierhalter, die nur aufs Geld schauen, sind Tierarzt Klaus Sperling ein Dorn im Auge. Denn nur um ein paar Euro zu sparen, setzen sie die Gesundheit ihres Haustieres aufs Spiel. Von Dirk Beutel 

Den Deutschen ist ihr Haustier lieb und teuer. Ob Futter, Spielzeug oder Mobiliar: 2013 gaben die Deutschen rund 3,9 Milliarden Euro für Nahrung, Bedarfsartikel und Zubehör aus. Muss der tierische Liebling aber zum Tierarzt wird offenbar auf jeden Euro geschaut. Klaus Sperling praktiziert seit 30 Jahren als Tierarzt.

Für viele geht Preis vor Qualität

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Seit etwa fünf Jahren beobachtet er zunehmend, wie sich Haustierbesitzer bereits vorab am Telefon über Preise erkundigen und nicht nach der Leistung. „Viele rufen bei mir an, fragen nach den Kosten und wägen dann ab, ob sie ihr Tier hier behandeln lassen oder nicht“, sagt Sperling. Dabei gilt für alle Tierärzte eine Gebührenordnung für standardisierte Behandlungen wie etwa einer Kastration, nach der der ein- bis zweifache Wert des Gebührensatzes berechnet werden darf. Falls es sich um einen Notfall außerhalb der Sprechzeiten handelt, oder eine besonders aufwändige Behandlung, darf sogar der dreifache Satz erhoben werden.

Für welchen sich ein Tierarzt entscheidet, hängt von dessen Ermessensspielsraum ab. „Die Preise können schon deswegen gar nicht so unterschiedlich sein, wohl aber die Qualität der Ausführung. Schließlich geht es am Ende immer um das Wohl des Tieres“, sagt Ehefrau und Mitarbeiterin Karin Sperling.

Herrchen muss menschlich mit dem Tierarzt auskommen

Aber wie soll man nun den Tierarzt seines Vertrauens finden? „Man kann am Anfang nie wissen, was einer kann oder nicht. Man muss etwas Zeit investieren und selbst herausfinden, ob man mit dem Tierarzt menschlich klarkommt, ob er seine Arbeitsschritte und Methoden erklärt und ob sie für einen selbst nachvollziehbar sind. Am besten dann, wenn das Tier keine Beschwerden hat, dann hat man keinen Druck“, sagt Klaus Sperling. Das bestätigt Astrid Behr, Sprecherin des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte: „Man muss ein Gefühl entwickeln, ob man sich und sein Tier gut aufgehoben fühlt. Selbst wenn sich ein guter Arzt unter Tierhaltern herumspricht, heißt das noch lange nicht, dass man selber mit ihm auskommt.“

Qualitätsstandards für Praxen gibt es nicht

Was viele nicht wissen: Für eine Tierklinik gibt es Auflagen wieviel Personal da sein und wie gut es ausgebildet und welche Ausrüstung vorhanden sein muss. Für eine Praxis gilt das nicht. „Theoretisch könnte man in einer Garage behandeln und die Tiere auf einen Küchentisch legen“, sagt Sperling. Qualitätsstandards gibt es nicht. Nur 15 Stunden muss ein Tierarzt pro Jahr für Fortbildungen nachweisen.

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