Taubenprojekt in Nöten: Kein Platz für Auswärtige

Viele Tauben müssen per Hand gefüttert werden.

125 verletzte Tauben wurden allein im August abgegeben. Das Frankfurter Stadttaubenprojekt arbeitet längst am Limit. Das Problem sind aber nicht die Einheimischen, sondern die Auswärtigen. Von Christian Reinartz

Region Rhein-Main – Tauben-Mama Gudrun Stürmer hat mit ihrem Stadttaubenprojekt in Frankfurt etwas losgetreten, das mittlerweile deutschlandweit Kreise zieht. Weil sie die einzige Auffangstelle für verletzte oder behinderte Stadttauben in der Republik betreibt. Immer mehr Taubenfinder wenden sich an das Frankfurter Projekt. Längst nicht mehr nur aus Frankfurt. „Bei uns landen Tauben aus Düsseldorf, Lübeck und Hamburg“, sagt Stürmer. Aber auch aus der näheren Umgebung, allen voran aus Rodgau, würden immer wieder Tiere abgegeben werden. Stürmer weiß: „Die Leute bringen uns die Tauben, weil es sonst nirgendwo eine Anlaufstelle gibt.“

Währenddessen klingelt ihr Notrufhandy. Ein altes Teil mit gesprungenem Display. Am anderen Ende ist eine Taubenfinderin, offenbar ohne Auto. Routiniert spult Stürmer alle wichtigen Fragen ab, redet beruhigend auf die aufgeregte Anruferin ein. „Es kommt jemand vorbei und holt die Taube ab.“ Eine halbe Stunde später ist eine Helferin unterwegs nach Wiesbaden, um eine Taube mit gebrochenem Flügel in die Volieren am Speckweg zu bringen, wo sie sich auskurieren kann. Dort, im Domizil des Stadttaubenprojekts, leben mittlerweile hunderte Tiere. Die meisten davon sind behindert, haben einen schiefen Flügel oder verwachsene Klauen. „Keine der Tauben hier könnte in freier Wildbahn oder gar der Stadt überleben“, sagt Stürmer. Bei ihr erhalten sie ihr Gnadenbrot.

Doch das kann die engagierte Taubenschützerin bald nicht mehr bezahlen. „Es sind mittlerweile einfach zu viele Tauben“, sagt Stürmer. Wir können mit unseren Mitteln nicht auch noch die auswärtigen versorgen.“

Das Problem sind die Kosten. „Es reicht hinten und vorne nicht“, klagt Stürmer. Allein die Aufwendungen für Einwegspritzen um die Tauben zu füttern oder Verbandsmaterial seien enorm. Dazu kämen Futter und das Geld für den Tierarzt. Denn zahlreiche Tauben, die abgegeben werden, müssen sofort ärztlich versorgt werden. „Bei vielen ist auch nichts mehr zu machen. Die müssen dann eingeschläfert werden.“

Ganz großer Notstand herrscht an ehrenamtlichen Helfern. „Genug Platz haben wir hier auf unserem Gelände“, sagt Stürmer. „Aber nicht genug Leute, die es bewirtschaften und die verletzten Fundtiere in Frankfurt und Umgebung abholen und zu uns bringen.“ Noch können sie und ihre Helfer das Aufkommen stemmen. „Mehr Tauben dürfen es aber nicht werden.“

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