Ernst Ebert, der Taubenmann

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Ernst Ebert mit einer seiner Tauben.

Friedrichsdorf – Was haben Ex-Boxer Mike Tyson, die Königin von England und der Friedrichsdorfer Ernst Ebert gemeinsam? Sie züchten Tauben. Für den gelernten Metzger Ebert geht es aber nicht um Prestige. Er steckt viel Herzblut in seine Leidenschaft.

Komm, komm, komm“, hallt es durch den Taubenschlag. Ruhig aber bestimmt dirigiert Ernst Ebert seine Lieblinge. Die gehorchen aufs Wort und flattern geschwind in die Voliere. Aufgabe erledigt. Ebert nickt zufrieden. Die Brieftaubenzucht ist seine große Leidenschaft – seit mehr als einem halben Jahrhundert. „Mit sechs Jahren hat mich der Taubenbazillus infiziert“, erinnert er sich.

Als Jugendlicher hatte er etwa 30 Tauben. Gespannt beobachtete er jeden Samstag, wie sich die Tiere ihren Weg von der Auflassstation in Passau in den heimischen Schlag bahnten. „Passau, das war damals für mich unendlich weit entfernt“, blickt der 70-Jährige zurück. Heute fliegen die Tauben aus europäischen Metropolen wie Barcelona, Paris oder Marseille Richtung Friedrichsdorf. 60 bis 70 Kilometer pro Tag legen die Tiere dabei zurück.

In den Wintermonaten sind es bis zu 100 Tauben, die Ebert unter seine Fittiche nimmt. Etwa ein Drittel seines Gartens gehört den Tieren. Seit 40 Jahren ist er Vorsitzender des Brieftaubenzuchtvereins „Komm zurück“. An der Faszination für sein Hobby hat sich über all die Jahre nichts geändert. Im Gegenteil: „Ich freue mich immer noch über jede einzelne Taube, die heimkommt.“ Gerne vergleicht er die Taubenzucht mit anderen Sportarten: Es gilt das Leistungsprinzip. Nur wer die Erwartungen erfüllt, darf überwintern. Maßgebend ist eine Preisliste, die den Verkaufswert wiedergibt. Und da gibt es auch bei den Tauben große Unterschiede. Ebert: „Nicht jede ist ein Beckenbauer, Vettel oder Schumacher.“ Bei der Wahl der Tauben benötigen die Züchter ein gutes Auge und Fingerspitzengefühl. Die Geschlossenheit sei ein wichtiger Indikator, auf das Verhältnis von den Flügeln zum Körper komme es an. Man müsse sich das wie auf dem Fußballplatz vorstellen. „Der eine hat mehr Talent, der andere weniger.“

Die Tauben bestimmen den Alltag mit

In der Jugend kickte Ebert für den FSV Friedrichsdorf. Nach den Spielen am Wochenende eilte er nach Hause, um die Ankunft der Tauben nicht zu verpassen. Irgendwann war die Zeit für Fußball und Taubenzucht zu knapp, zumal Ebert nach der Schule in der Metzgerei seiner Eltern aushelfen musste. Er entschied sich für die Taubenzucht und übernahm den elterlichen Betrieb, den er bis zur Schließung Ende der 80er Jahre führte. Metzgerei und Taubenzucht – eine sehr zeitintensive Kombination. Da musste auch seine Frau mal zurückstecken. „Aber sie wusste ja, worauf sie sich einlässt“, sagt er schmunzelnd. Beide sind seit 46 Jahren verheiratet. Heute sind es „nur“ noch die Tauben, die den Alltag mitbestimmen.

Etwa fünf Stunden täglich verbringt Ebert mit seinen gefiederten Freunden und hat bei allem „Spaß an der Freude“ auch einen gewissen Ehrgeiz entwickelt. Den bisher größten Triumph erzielte er 1998 beim „Königsflug“ von Barcelona, als er die zwei schnellsten „benannten“ Tauben stellte. Bei den Hessenmeisterschaften reichte es bisher nur zum zweiten Platz. Der Meistertitel fehlt Ebert noch – ein zusätzlicher Ansporn. zin

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