Senta ruht nun unter einem Eichenbaum

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Tierfriedhof in Rodenbach: Der Lieblingsball von Fanny liegt auf dem Grab.

Region Rheinmain – Sonnenstrahlen brechen durch das herbstlich gefärbte Laubdach, als Senta zu Grabe getragen wird. Der Border Collie aus Neu-Isenburg ist in ein weißes Baumwoll-Lacken gehüllt. Behutsam legt Julius Spiegel den toten Hund in das zuvor ausgehobene Grab. Den Kopf in Richtung der Eiche in unmittelbarer Nähe. Von Norman Körtge

Sentas Frauchen wollte an der Beerdigung nicht teilnehmen. Zu groß ist der Schmerz über den Verlust des geliebten Haustieres. Aber sie wollte ihn an einen schönen Ort begraben wissen. Julius Spiegel von der Dietzenbacher Firma HPS hat diesen Wunsch am Mittwochmorgen erfüllt.

Horst Pueschel, der Chef von Julius Spiegel, kann den Schmerz von Sentas Besitzerin gut nachvollziehen. Purzel, sein erster eigener Hund, wurde von einem Auto überfahren. Er stand schon vor dem Tor der Tierkörperbeseitigungsanlage, aber er konnte dort seinen geliebten Hund nicht abgeben im Wissen, dass Purzel dort zu Ölen und Fetten verarbeitet wird. Schließlich fand er einen Platz, wo er seinen Hund vergraben konnte.

Horst Pueschel

Bei seiner Arbeit als Berater für Arbeitssicherheit traf er in den von ihm betreuten Tierarztpraxen immer wieder auf diese Problematik. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass sich Menschen so von ihren Lieblingen verabschieden können, wie es sich der Haustierbesitzer wünscht“, berichtet Pueschel.

Denn der Dietzenbacher steht mit seiner Gefühlswelt nicht alleine da. Die Nachfrage nach Tierbestattungen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Zum einen würden viele Menschen vereinsamen und hätten nur noch ein inniges Verhältnis zu ihrem Haustier. Zum anderen steigern die Tiere auch die Lebensqualität, sind vollständig ins Familienleben integriert. Da ist der Tod des Tieres ein einschneidendes Erlebnis.

Julius Spiegel schaufelt das Grab von Senta zu.

Deshalb verschaffte sich der Dietzenbacher Unternehmer einen Überblick über bestehende Angebote, schaute sie sich genau an und bot dies dann auch an. Er arbeitet beispielsweise eng mit einem Krematorium in Holland zusammen, übernimmt den Transport von toten Tieren und Asche. Für die trauernden Besitzer sei dort ein angemessener Ort vorhanden, um Abschied zu nehmen. Außerdem sei sichergestellt, dass die Asche in der Urne auch wirklich von dem eigenen Tier ist. Diese Transparenz vermisst Pueschel bei anderen Anbietern. „Meinen in den vergangenen Jahren erarbeiteten Vertrauensbonus setzte ich nicht wegen ein paar Euro aufs Spiel“, sagt Pueschel.

Jahrelang verwies er für Beerdigungen auf den Tierfriedhof in Frankfurt-Rödelheim. Dort ist in den vergangenen Jahren eine Grabstätte ähnlich der für Menschen entstanden, die vom Tierschutzverein Frankfurt unterhalten wird.

Pueschel selbst mag es schlichter. Deshalb suchte er nach einer Alternative.

Mehr Informationen zu den Bestattungsformen, Einäscherungen und Pachtpreisen fürs Grab unter Tel. 06074 815615 oder unter www.tierfriedhof-hessen.de.

Nach vielen Anfragen bei Kommunen und Forstämtern wurde er in Rodenbach bei Hanau fündig. Seit über einem Jahr werden nun auf dem Wald-Tierfriedhof „Waldruhe“, Am Buchberg, Tiere in einer naturbelassenen Umgebung bestattet.

So wie der Pudel Chippie von Malgorzata Lewinska aus Langen. „Chippie war ein echter Familienhund“, erzählt sie. Vor einem Jahr musste er wegen eines Tumors eingeschläfert werden. Regelmäßig schaut sie immer noch nach dem Grab und pflegt es.

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