Segen für die Katz?

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Der Tod des geliebten Tieres ist für die Besitzer oft nur schwer zu verkraften.

Region Rhein-Main – Christliche Tierbestattungen sind verboten. Das ist die offizielle Haltung, der Evangelischen Kirche. Doch die Pfarrer vor Ort handeln ganz anders. Weil sie trauernden Herrchen den Wunsch nach einem christlichen Begräbnis nicht abschlagen wollen. Der Frankfurter Theologe und Pfarrer Dr. Jens Feld fordert jetzt von den Kirchen: „Schafft endlich ein christliches Bestattungritual für Haustiere.“ Von Christian Reinartz

Theologe Dr. Jens Feld liebt seine Hunde und fordert von der Kirche ein Bestattungsritual für Haustiere.

Tiere sind keine Menschen! Soviel ist schon mal klar. Dass sie für viele Menschen der Ersatz eines menschlichen Lebenspartners sind, auch. Stirbt der tierische Gefährte, ist die Trauer für viele unerträglich. Gerade ältere Menschen leiden unter dem Verlust ihres Haustiers. „Deshalb ist es für viele gläubige Menschen wichtig, dass sie ihr Haustier auf christlichem Wege bestatten können“, argumentiert Dr. Jens Feld. Der in Frankfurt geborene Theologe hat sich mit seiner Kirche, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, angelegt. Weil er das ausspricht, was in vielen Gemeinden sowieso schon stattfindet. „Es ist ja gerade die seelsorgerische Pflicht eines Pfarrers, den Menschen zu helfen“, sagt Feld. Die Betonung liege auf Menschen, stellt er klar: „Keiner behauptet, dass Tiere Christen sein können. Keiner will sie dem Menschen gleichstellen. Das ist völliger Quatsch.“ Doch ein Begräbnis mit christlicher Begleitung könne vielen Gläubigen helfen, mit der Trauer besser umzugehen.

Trauer um das Tier

Das sieht auch der Mühlheimer Pfarrer Hans Rumpeltes so. „Wenn ein Kind zu mir kommt, weil sein Haustier gestorben ist, dann spreche ich natürlich ein Gebet mit ihm“, sagt er selbstbewusst: „Das ist doch meine seelsorgerische Aufgabe.“

Weil es keinen offiziellen Ritus gibt, handhabt es offenbar jeder Pfarrer so, wie er es für richtig hält. Doch die EKHN scheint das auszublenden, behauptet felsenfest: „Die EKHN lehnt christliche Bestattungen für Tiere ab. Weder gibt es dafür literarische Vorlagen, noch Pläne, solche zu erarbeiten.“

Für Jens Feld ist das ein Unding. „Ich selbst kenne Pfarrer, die sich jetzt zwar dagegen aussprechen, aber schon den Familienhund bestattet haben“, so der Theologe. „Wir können den Leuten doch nicht nur sagen, dass wir ihre Trauer verstehen. Das kann doch als Kirche nicht alles sein.“

Über den Verlust hinweg helfen

Deshalb fordert Jens Feld die Kirche auf, sich der Realität zu stellen und einen entsprechenden Ritus zu schaffen. „Wir würden damit den Menschen wirklich helfen. Und darüber kann der liebe Gott doch nicht böse sein.“

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