Schüler sind auf den Hund gekommen

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Lehrerin Gisela Mathes-Sünder erklärt das Säulendiagramm. Alex darf Meggi streicheln, wenn sie bei ihm liegt, muss aber dem Unterricht weiter folgen.

Eschborn – Die Schüler der Grundschule Eschborn Süd-West sind im wahrsten Sinne auf den Hund gekommen. Im Unterricht der Klasse 2b sitzt Schultherapiehündin Meggi, die die Kinder beim Lernen aktiv unterstützt. Von Ingrid Zöllner

Misin hat eine Aufgabe gelöst und darf ein Leckerli unter die Zahl tun.

An diesem Tag steht eine Meggi-Stunde mit Mathematik auf dem Plan, vorbereitet von den Lehrerinnen Daniela Nägele und Gisela Mathes-Sünder. Auf einem Brett liegen acht verschiebbare Quadrate mit Zahlen, darunter befinden sich Löcher. „Wir stellen Aufgaben. Wer die Lösung weiß, darf unter die Zahl ein Leckerli legen“, erklärt Mathes-Sünder. Nachdem alle Aufgaben gelöst sind, darf der achtjährige Misin das Brett auf den Boden legen. Mit ihrer feinen Nase stöbert Meggi die Leckerlis auf und verschiebt die Brettchen mit ihrer Pfote. Nach dem Spiel geht die Mathestunde regulär weiter, Meggi tapst durch die Klasse und lässt sich neben dem achtjährigen Alex nieder. Der krault sie mit einer Hand, achtet aber auf Mathes-Sünder, die gerade das Säulendiagramm erklärt. Es gibt klare Regeln: Keiner darf Meggi rufen oder sie festhalten und es dürfen sie nicht mehrere auf einmal streicheln.

Vor Jahren hatte Nägele einen Bericht über einen Realschullehrer gelesen, der seine Hunde mit in den Unterricht genommen hat. „Ich fand die Idee des Therapiehundes toll. Da wir eine Grundschule mit Integration sind und einige Schüler speziell gefördert werden müssen, habe ich unserem Direktor Hajo Rother davon erzählt“, sagt sie. Der war von der Idee angetan.

Auf dem Papier gehört Meggi der Schule, de facto kümmert sich Nägele um sie. 2006 startete das Projekt: Die Blindenführhundschule „Blickpunkt“ in Bad König suchte nach einem geeigneten Hund. Die Wahl fiel auf die schwarze Labradorhündin Meggi, die als Welpe erste Bekanntschaften mit dem Schulalltag machte. „Meggi kam mit einem Jahr zu uns. Davor hat ihre Ausbilderin uns immer wieder mit ihr besucht, um sie an verschiedene Situationen zu gewöhnen.“ Die Grundausbildung ist ähnlich wie bei Blindenführhunden.

Mit Meggi konzentrierter und ruhiger arbeiten

Im Umgang mit den Schülern musste Meggi lernen, dass sie ihnen etwa das Pausenbrot nicht wegessen darf. „Die Hündin hat eine hohe Toleranz gegenüber Lärm, unkontrollierten Bewegungen und spontanen Berührungen, daher ist sie für die Arbeit mit den Kindern bestens geeignet“, sagt Nägele. Meggi ist nur in der Klasse im Einsatz, in der Nägele unterrichtet. Auch die Zahl der Kinder mit Förderbedarf spielt eine Rolle. In Deutschland gibt es mehr als 100 Schulen, die einen Therapiehund haben.

Meggi beherrscht mehrere Spiele, die die Kinder zum Lernen animieren sollen. Sie strahle eine Ruhe aus, die sich auf die Schüler überträgt, sagt Nägele: „Das wirkt mehr, als wenn ein Lehrer das ständig einfordert.“ Jeden Morgen begrüßt die Labradorhündin schwanzwedelnd ihre Mitschüler. Der Hund ist ein wichtiger Bestandteil für die Integrationsklasse. „Es gibt hier einen sozialen Brennpunkt, einige Schüler haben einen sozial schwachen Hintergrund. Meggi ist es egal, wer woher kommt, sie mag alle gleich“, sagt die 36-Jährige. Eine Wirksamkeitsstudie gibt es nicht, aber beiden Lehrerinnen fällt auf, dass ihre Schüler konzentrierter und ruhiger arbeiten.

Zwischendrin benötigt die Hundedame eine Auszeit und zieht sich auf ihre Decke zurück. Wenn Meggi es sich dort gemütlich macht, darf sie von den Kindern nicht gestört werden. Dann kann es auch vorkommen, dass die Hundedame den halben Unterricht verschläft.

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