Langsame Delikatessen

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Schneckenzüchter Hans Herold zeigt seine Zuchtstation im Odenwald.

Region Rhein-Main – Hans Herold hat die Langsamkeit entdeckt: Der 63-jährige aus Hetzbach im Odenwald züchtet Weinbergschnecken. Seine Zucht war eine der ersten in Deutschland. Und aller Anfang war schwer. Von Mareike Palmy

Am liebsten kleben sie unter einer Holzlatte – die Schnecken von Hans Herold. Auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück inmitten grüner Wiesen oberhalb des Odenwald-Örtchens Hetzbach züchtet der ehemalige Maler- und Lackierermeister Weinbergschnecken der Gattung „Helix Aspersa Maxima“, die bis zu 35 Gramm wiegen können. In zwei Freilandbeeten, umgeben von einem Blechzaun, tummeln sich tausende der schleimigen Zeitgenossen.

Das ist ein Paradies für Schnecken. Unter den Holzbrettern und Blättern herrscht das ideale Klima, feucht und schattig. Trotzdem büchsen immer wieder einige aus“, sagt Herold. Selbst Sicherheitsnetze überwinden die nachtaktiven Weichtiere mit Leichtigkeit und das bei einer Höchstgeschwindigkeit von drei Metern in der Stunde.

Mit seiner Schneckenzucht war Hans Herold einer der ersten Züchter in Hessen. Doch das Pionierdasein hat seine Tücken: „Als ich vor zehn Jahren die Idee hatte, musste ich mich erst schlau machen, wie das funktioniert. Das ist alles relativ kompliziert, man muss schon ein bisschen was tun“, sagt Hans Herold. Der Odenwälder hat sich durch mühsame Recherche alles selbst beigebracht – in Frankfreich braucht man für die Zucht sogar eine Ausbildung. Um als Schneckenzüchter tätig sein zu können, bedarf es hierzulande keinerlei Ausbildung oder Prüfungen.

Auch ein Schneckenzüchter braucht einen Schlachtraum

Doch von einem simplen Geschäft kann keine Rede sein, denn Schnecken verursachen durchaus Aufwand: „Im Prinzip kann zwar jeder eine Zucht aufmachen“, sagt Herold. „Wichtig ist es aber, die ganzen Vorgaben der Behörden zu erfüllen. Man hat viele Vorschriften und muss viel Aufwand betreiben“, sagt der Odenwälder aus Erfahrung.

Denn den größten Kampf, so Herold, führt ein Schneckenzüchter gegen die deutsche Bürokratie. „Ich musste einen geeigneten Schlachtraum einrichten, obwohl beim Schlachten von Schnecken keinerlei Blut fließt“, berichtet Herold. Bei all den Einschränkungen, hat Hans Herold trotzdem großen Spaß an seiner Zucht: „Meine Schnecken halten mich fit. Das ist Beschäftigungstherapie für das ganze Jahr“, sagt er.

Mittlerweile verkauft er seine glitschigen Delikatessen sogar an Gourmetrestaurants in Frankfurt und dem Taunus. Auch verschiedene Feinkosthandel und private Feinschmecker gehören zu seinen Kunden. In seinem kleinen Laden in Beerfelden gibt’s die Schnecken sogar als fertige Tiefkühl-Produkte. Schneckenbratwurst, Schneckensuppe oder Brotaufstrich mit Schneckenfleisch gehören zum Sortiment.

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