Kornnatter ist abgehauen

Schlange in Erzhausener Garten gefunden

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Weltmeister im Ausbüxen: Diese Kornnatter wurde am Dienstag im Darmstädter Vivarium abgegeben.

Region Rhein-Main - Aufregung in einem Garten in Erzhausen. Dort finden die Bewohner plötzlich eine Schlange. Nicht untypisch: Denn auch Schlangen hauen gerne von zu Hause ab – besonders Kornnattern. Von Dirk Beutel

Einfach abgezischt: Nicht nur Hunde oder Katzen büxen mal von zu Hause aus, auch Schlangen suchen gerne mal den Weg ins Freie. So wie das Exemplar das am Dienstag, von einer Polizeistreife in einem Garten in der Rheinstraße in Erzhausen eingefangen wurde. Zuvor haben sich die Polizisten erkundigt, um welche Art von Schlange es sich überhaupt handelt. „Dank Foto-Handy und Internet haben die Kollegen das Tier schnell als eine Kornnatter identifiziert, die üblicherweise in Amerika beheimatet und ungiftig ist“, sagt Polizeisprecherin Andrea Löb.

Mehrere Schlangen werden im Darmstädter Vivarium abgegeben

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Das Tier, das bis zu 1,80 Meter lang und über 20 Jahre alt werden kann, befindet sich derzeit in der Quarantäne-Station des Darmstädter Vivariums. Dort werde sie auf Parasiten untersucht, um eine Ansteckung zu verhindern. Etwa eine Woche dauert es, bis das Ergebnis vorliegt. Aktuell befinden sich fünf Kornnattern in der Auffangstation des Darmstädter Zoos. Etwa fünf bis sechs Schlangen werden dort im Jahr abgegeben. Meist im Sommer oder vor den Ferien wie Tierpflegerin Annika Goller berichtet. Entweder von den Haltern selbst oder der Polizei, denn auch Reptilien und Amphibien können von überforderten Besitzern ausgesetzt werden oder hauen mal von zu Hause ab: „Allein in den vergangenen drei Wochen wurden uns zwei Kornnattern gebracht.“ Doch dass man immer wieder mal auf exotische Tiere in freier Wildbahn trifft, müsse noch lange nicht auf eine schlampige Haltung zurück zu führen sein. „Eine Schlange kann einem schnell mal ausbüxen, das kann jedem mal passieren“, sagt Goller. „Zumal es sich bei diesen Tieren um typische Anfängertiere handelt.“ Es gebe sogar Exemplare, die es schaffen, eine ungesicherte Schiebetür aus eigener Kraft aufzubekommen.

Schlangen werden nicht ausgesetzt

Auch Thomas Wilms, Vize-Präsident des Frankfurter Zoos, hält ein Aussetzen für höchst unwahrscheinlich. „Wer Terraristik betreibt, macht das mit Haut und Haaren. Man investiert viel Geld in sein Hobby und viel Zeit in das Know-how.“ Im Falle einer privaten Abgabe könne selbst der Frankfurter Zoo nicht helfen – aus Platzgründen. Meist werde eine Weitervermittlung in Zusammenarbeit mit der Reptilienauffangstation in München oder der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) organisiert. „Einmal nicht aufgepasst und weg sind sie, das geht ganz schnell, so schnell kannst du gar nicht kucken“, sagt auch Krokodil-Flüsterer Orazio Martino aus Dietzenbach: „In der Regel gilt: Wer sich eine Schlange kauft, will sie auch behalten.“ Obwohl er keine offizielle Auffangstation ist, werden bei ihm hin und wieder Reptilien und Amphibien abgegeben. Wie etwa ein Tigerpython aus Frankfurt, der mal eben die Hauskatze verspeist hat. Oder eben Kornnattern: „Die sind Weltmeister im Ausbüxen. Ich will gar nicht wissen, wie viele da draußen herumkriechen“, sagt Martino. „Denn diese Schlangenart kann in Deutschland überleben und Kälte gut aushalten.“

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