Pferdeseuche noch nicht bei uns: Tierarzt warnt vor Optimismus!

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Pferd mit Blutarmut.

Region Rhein-Main – Der Tod geht um auf Hessens Weiden. Schon fünf Pferde sind an der heimtückischen Pferdeseuche verendet. Hiesigen Pferdebesitzern macht das offenbar keine Angst. Jetzt warnt ein Pferde-Arzt vor falschem Optimismus.  Von Christian Reinartz

„Bricht die Krankheit hier im Ballungsraum aus, wird es sehr gefährlich“, warnt Pferde-Tierarzt Wolfgang Mayrhofer aus Frankfurt. Es fängt an wie eine Grippe: Abgeschlagenheit, Fieber, Durst. Doch diese Infektion ist in den meisten Fällen tödlich. „Equine Infektiöse Anämie“ heißt die heimtückische Pferdekrankheit, wegen der in Mittel- und Nordhessen ganze Gestüte gesperrt und mit einer Schutzzone belegt wurden. Im Rhein-Main-Gebiet ist bisher noch kein Fall bekannt geworden. Dennoch sind die Veterinärämter in Alarmbereitschaft.

Die Stallbesitzer und Reitervereine der Region sehen die Situation dagegen gelassen. Während beim Reiterverein Gravenbruch das Thema noch gar nicht diskutiert wurde, wähnt sich etwa der Heusenstammer Reit- und Fahrverein in Sicherheit. „Wir fahren mit unseren Pferden nicht auf Turniere. Deshalb sehe ich da wenig Gefahr“, sagt Vorsitzende Claudia Waltinger.

Vorsicht vor falschem Optimismus

Ein Trugschluss, wie Pferde-Tierarzt Wolfgang Mayrhofer aus Frankfurt -Niederrad weiß. Die Krankheit breitet sich nämlich durch blutsaugende Insekten aus. Die haben zwar keinen sehr weiten Flugradius, doch in einem so dicht besiedelten Gebiet wie hier brauchen sie den auch nicht. Breche die Krankheit im Rhein-Main-Gebiet aus, wären schnell zahlreiche Pferde betroffen, so der Spezialist. Besonders tückisch: Unerkannt infizierte Pferde bleiben ein Leben lang infektiös, können also immer wieder andere anstecken.

Doch woher kommen die Erreger so plötzlich? Die Seuchen-Herde in Mittel- und Nordhessen führen Experten auf importierte Pferde aus Rumänien zurück. Von denen ist offenbar keines in der Region gelandet. Aber: „Die Gefahr für die Pferde im Kreis Offenbach lässt sich derzeit nicht einschätzen, da nicht abschließend geklärt ist, ob alle illegal aus Rumänien eingeführten Pferde ermittelt werden konnten“, schränkt Kreispressesprecherin Ursula Luh ein: „Grundsätzlich ist jederzeit eine Einschleppung der Krankheit möglich.“

Turnierpferde verbreiten die Krankheit

Und zwar durch Turnierpferde, die durch die Republik kutschiert werden. „Sind bei einer solchen Veranstaltung viele Pferde zusammen, kann schnell eine Übertragung stattfinden“, warnt Tierarzt Mayrhofer. Dann könnten schlagartig auch Gestüte aus der Gegend betroffen sein. Experten raten deshalb, die Pferde immer rechtzeitig in den Stall zu stellen, um Insektenstiche zu minimieren. Zudem könnten Mückenmittel vorbeugen. Das Tragische: Ist eine Infektion erkannt, endet sie in jedem Fall tödlich. Dann muss das Tier auf Anordnung des Veterinäramtes getötet werden.

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