Wild außer Rand und Band

Paarungszeit: Stress und Gebrüll beim Rothirsch

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Im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau kämpfen Hirschbullen um den Rang des Alpha-Tieres.

Region Rhein-Main – Die Rothirsche der Region sind außer Rand und Band. Bis in die Geweihspitzen sind sie mit Testosteron vollgepumpt. Der Kampf um die Hirschkühe hat begonnen. Nur der Platzhirsch setzt sich durch. Von Fabienne Seibel 

 „In unserem Rothirschrudel geht es derzeit heiß her. Die männlichen Hirsche kämpfen um ihre Position als Platzhirsch“, sagt Sabine Scholl vom Wildpark Alte Fasanerie in Hanau. „Im Moment ist unser neunjähriger Gerôme unser Platzhirsch, doch das kann sich jederzeit ändern. Er hat zwei starke Konkurrenten“, so Scholl. Arthur, ein zehn Jahre alter und damit erfahrener Rothirsch-Bulle und Harry, ein Prachtkerl und echtes Schwergewicht, machen Gerôme das Leben schwer. Scholl: „Ich weiß nicht, ob Gerôme das bis zum Ende der Brunftzeit im Oktober durchhält.“

Im September und Oktober ändert sich das sonst eher ruhige Verhalten der Tiere schlagartig. In dieser Zeit sind die Hirschkühe brünftig, also paarungsbereit. Um die Hirschkühe zu beeindrucken, liefern sich die Bullen in den Wäldern der Region und auch im Wildpark Hanau erbitterte Kämpfe. Scholl erklärt: „Die etwa gleichstarken Hirsche messen sich miteinander in einer Art Ringkampf, der auch als Schaukampf für die brünftigen Hirschkühe genutzt wird.“ Und: „Die Bullen verhaken sich dann mit ihren Geweihen ineinander und der Stärkere drückt den anderen Hirsch weg.“ Mit einem Gewicht von durchschnittlich 180 Kilo kann es dabei ordentlich zur Sache gehen.

Liebesgebrüll und Kondition

Viel mehr lassen sich die Hirschkühe jedoch vom Liebesgebrüll, dem Röhren der Hirsche, beeindrucken. „Das Röhren macht einen unheimlichen Reiz für die Kühe aus. Eine imposante und tiefe Stimme ist für sie attraktiv“, so Scholl. Welcher Hirsch im Hanauer Wildpark schließlich bei den Kühen zum Zug kommt, hängt auch von einer guten Kondition ab. Scholl erklärt: „Der Platzhirsch muss sich im Rudel ständig beweisen, seinen Harem an Hirschkühen zusammenhalten und Konkurrenten vertreiben.“

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Spaziergänger, die während der Paarungszeit in der Natur auf einen Rothirsch treffen, haben laut Sabine Scholl trotz der Aggressivität der Bullen nichts zu befürchten. „In dieser Zeit haben die männlichen Hirsche nur den Geruch der paarungsbereiten Weibchen in der Nase und im Kopf. Sie interessieren sich für nichts anderes.“ Gelingt es Gerôme und den anderen Platzhirschen in unseren Wäldern, die Weibchen zu beeindrucken und zu decken, kommt im Mai und Juni der Hirschnachwuchs zur Welt.

Bei einer Hirschführung im Hanauer Wildpark Alte Fasanerie kann man die Tiere ganz aus der Nähe bei ihrem wilden Treiben beobachten. Die eineinhalbstündigen Abendführungen finden noch bis Ende September Abendführungen teilnehmen, die mittwochs und freitags ab 17.45 Uhr statt.

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