Offenbacher Bellos bald nur mit Führerschein?

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Offenbacher Bellos bald nur mit Führerschein?

Offenbach – Schwierige Zeiten für Hundehalter. Interne Zahlen des Hessischen Innenministeriums belegen: Die Zahl der Hundebisse lag in den letzten sieben Jahren bei über 200 jährlich. Die Tierschutzorganisation Peta fordert deshalb den „Hundeführerschein“. In Offenbach könnte schon bald ein solches Pilotprojekt starten – mit Unterstützung aus dem Rathaus. Von Christian Reinartz

Die Idee ist einfach und plausibel: Die bisherigen Listen mit gefährlichen Hunden verlieren ihre Gültigkeit. Stattdessen muss jeder, der sich einen neuen Hund anschaffen will, eine theoretische und praktische Halterprüfung ablegen. So wird es auch von Hessens SPD, Grüne, dem Landestierschutzverband und dem Bund gegen den Missbrauch der Tiere im kürzlich verabschiedeten „Wiesbadener Manifest für Halterschulung“ gefordert.

Experten sind sicher, dass eine solche Hürde die aktuelle Zahl der Bisse wieder zurückgehen lassen würde. „Alle Hundehalter wären dann automatisch im Umgang mit den Tieren ausgebildet“, sagt Peta-Sprecherin Nadja Kutscher. Die gesellschaftliche Struktur in Frankfurt und Offenbach sei prädestiniert, um einen Testlauf für den Hundeführerschein zu starten. „Viele Menschen, viele Hunde, und das auf sehr engem Raum“, argumentiert Kutscher.

Spontankäufe sollen durch Füherschein verhindert werden

Von dem Projekt verspricht sich die Tierschutzorganisation einen Rückgang der Spontankäufe, von denen viele wieder im Tierheim landen. „Dann muss sich nämlich jeder potentielle Hundebesitzer mit der Haltung auseinander setzen, bevor er sich ein Tier anschafft.“ Vorbild sei die Schweiz, wo es ein solche Regelung schon lange gäbe.

In die Kritik geraten war die aktuelle hessische Hundeverordnung wegen der so genannten Rasseliste mit gefährlichen Hunden. „Fachleute sind sich einig, dass diese Verordnung unsinnig ist“, sagt Ralf Kurtze, Geschäftsstellenleiter des Landestierschutzverbands Hessen mit Sitz in Hanau.

Die Offenbacher Politik scheint unterdessen Gefallen an der Idee eines Pilotprojekts „Hundeführerschein“ in Frankfurt zu finden. „Grundsätzlich ist das eine gute Idee“, sagt FDP-Frak-tionsvorsitzender Oliver Stirböck. Die Hundehalter sollten allerdings nicht zu sehr belastet werden. „Stattdessen müsste es einen Anreiz für die Bürger geben, den Führerschein zu machen.“

CDU-Fraktion spricht sich gegen "richtige Prüfungssituation" aus

Auch die Grünen-Fraktion würde ein solches Pilotprojekt begrüßen. Allerdings müssten die Kosten für den einzelnen Hundehalter und der bürokratische Aufwand im Auge behalten werden, heißt es aus der Fraktion.

Zurückhaltender zeigt sich hingegen die CDU-Fraktion. Deren Chef Peter Freier will der Hessischen Regierung offensichtlich nicht in die Parade fahren, kann sich ein „Pilotprojekt in Offenbach aber vorstellen.“ Und auch die SPD kann sich eine Pilotprojekt vorstellen, allerdings nicht mit einer „richtigen Prüfungssituation“, so Gertrud Marx, stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Im Hessischen Innenministerium gibt man sich unterdessen gesprächsbereit. Pressesprecher Thorsten Neels: „Wir sind für Vorschläge und Ideen grundsätzlich offen, aber wichtig ist für uns, dass die Sicherheit gewährleistet bleibt.“

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