Maikäferplage bald bei uns: Hanauer laufen Sturm gegen chemische Keule

Region Rhein-Main – Vor einer möglichen Maikäferplage hatte der EXTRA TIPP schon im Mai 2010 gewarnt. Doch damals wiegelten Experten ab, waren sich sicher, dass die Welle noch auf sich warten lässt. Doch offenbar lauern hunderttausende Engerlinge in der Erde der Region auf das Frühjahr. Von Christian Reinartz

Ihr Hunger macht die Maikäfer so gefährlich. Denn mit ihren kräftigen Beißwerkzeugen können sie ganze Waldgebiete zerfressen. Die Folge: Die heimische Waldwirtschaft muss starke Einbußen hinnehmen. Zudem sind die braunen Brummer mehr als lästig, wenn sie einem im Frühsommer in Hundertschaften den Aufenthalt im Freien vermiesen.

Der Hessenforst will deshalb die Chemiekeule herausholen und die schon jetzt abgelegten Käferlarven mit dem Pestizid Perfekthion abtöten.

Die Hanauer aber sträuben sich gegen den Gift-Angriff auf die Summsemänner. Hanaus Umwelt-Dezernent Ralf Reiner Piesold: „Es kann nicht sein, dass großflächig ein Gift versprüht wird, bei dem auch andere Organismen geschädigt werden.“

In der Tat ist der Wirkstoff in Perfekthion alles andere als ungefährlich: Dimethoat ist dem gefährlichen E605 ähnlich, das hierzulande verboten ist. Als sogenanntes Schwiegermutter-Gift war es in der Vergangenheit für zahlreiche Morde verantwortlich. Zwar ist die genebelte Menge, die etwa im Rhein-Main-Gebiet zum Einsatz kommen würde, relativ gering. Dennoch dürfen behandelte Waldstücke zwei Tage nicht betreten werden. Stadt-Biologe Martin Schroth hält die Pläne des Hessenforsts für überflüssig: „Erfahrungen haben gezeigt, dass die meisten Bäume sich problemlos erholen und neu austreiben.“ Lediglich ganz wenige junge Bäume könnten durch den Befall absterben. Die Hanauer hoffen nun darauf, dass Umweltministerin Lucia Puttrich die Spritzaktion des Hessen-Forsts nicht genehmigt.

Ministeriumssprecher Thorsten Neels mahnt unterdessen zur Geduld: „Wir sind dabei zu prüfen und werden Anfang des neuen Jahres die Sache abwägen.“ Auch, warum die Ministerin vor einem Jahr in Pfungstadt die Gift-Keule abgelehnt hatte, würde dabei berücksichtigt werden.

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