Katja Jacobs bildet Labradore zu Schimmel-Spürhunden aus

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Katja Jacobs mit ihren beiden Schimmelspürhunden Ally (links) und Donna.

Königstein – Ally steht im Keller und zieht die Luft durch ihre Nase ein, die dabei leicht zuckt. Zielstrebig läuft die Hundedame zu einer Wand, schnüffelt hörbar an einer Stelle auf dem Boden. Sie blickt sich nach ihrem Frauchen Katja Jacobs um. Von Ingrid Zöllner

Als diese neben ihr steht und sie anschaut, hebt Ally die Pfote und zeigt an: Dort befindet sich Schimmel. Die zehnjährige Hündin hat Recht, direkt unter ihr in einem Leitungsrohr befindet sich eine präparierte Schimmelprobe fürs Training, die sie mit ihrer feinen Schnüffelnase gefunden hat.

Ally und die siebenjährige Donna sind zwei Schimmelspürhunde, die das Architekturbüro Jacobs in Königstein bei ihrer Arbeit unterstützen. Ausgebildet wurden die beiden schwarzen Labrador-Retriever von Katja Jacobs, die nicht nur als Architektin, sondern auch als Sachverständige für Feucht- und Schimmelschäden arbeitet. „Ally hatten wir uns als Familienhund zugelegt“, erzählt die 38-Jährige. Doch weil Labrador-Retriever als „sehr nasenfein“ gelten, war für sie Rettungshundearbeit vorgesehen. „Mein Mann Marc ist in der Feuerwehr aktiv, daher kam die Idee“, sagt die Architektin.

Einsatz auch beim Immobilienkauf

Da ist etwas: Ally zeigt mit der Pfote an, wo sie im Keller Schimmel erschnuppert hat.

Doch die Jacobs merkten schnell, dass dies nicht für sie und ihren Hund geeignet war. „Wir wollten zum Beispiel beide den Hund führen können. Das war aber nicht möglich.“ So brachen sie die Ausbildung zum Rettungshund ab. „Kurz danach war mein Mann auf einem Seminar, wo er von schwedischen Schimmelspürhunden erfahren hat“, erzählt Jacobs. Da beide mit dem Thema berufsbedingt immer wieder konfrontiert werden, entschlossen sie sich, Ally zum Schimmelspürhund ausbilden zu lassen.

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Das Problem: In Deutschland gibt es keine professionellen Kurse in dieser Richtung. „Sie können in Schweden einen Schimmelspürhund kaufen. Aber die Bindung ist ganz anders“, findet Jacobs. Oft reicht es, wenn Ally den zu überprüfenden Raum betritt, dann weiß Jacobs anhand von kleinen Feinheiten in der Haltung und im Verhalten, ob ihr Hund fündig wird. Das Problem lag jetzt allerdings noch im Schimmel selbst: „Es gibt viele verschiedene Schimmelarten, die alle unterschiedlich riechen. Schimmel ist ein Lebewesen, das auf unterschiedlichen Flächen wie Holz und Tapete zudem immer unterschiedliche Gerüche entwickelt. Daher musste für das Training Schimmel in Reinkulturen gezüchtet werden.
Dann begann das Training. Dafür wird ein Metallröhrchen mit einem Wattebausch präpariert, der zuvor den Geruch der Schimmelprobe aufgenommen hat. Sorgfalt ist gefragt, Jacobs muss mit Handschuhen arbeiten, damit nicht ihr Körpergeruch auf das Trainingsgerät gelangt. Wie Ally wurde auch Donna im Alter von zwei Jahren zum Schimmelspürhund ausgebildet.

„Die Tiere können maximal eine halbe Stunde am Stück arbeiten. Dann benötigen sie eine Pause. Das Arbeiten mit der Nase ist für sie sehr anstrengend“, erzählt Jacobs. Zum Einsatz kommen sie bundesweit bei Immobilienkäufen, nach Sanierungen, bei modrigem Geruch ohne sichtbare Schäden, Allergien und anderen Krankheitsbildern. „Der Vorteil der Hunde gegenüber einer raumlufttechnischen Untersuchung liegt darin, dass er punktgenau den Befall anzeigen kann. Bei der Analyse der Raumluft wissen sie zwar, dass Schimmel vorhanden ist, aber nicht wo“, berichtet Jacobs. Zudem kann eine Analyse im Labor drei bis vier Wochen dauern: „So lange können Sie aber in der Regel bei einem Hauskauf nicht warten.“

Kein Haus ist völlig schimmelfrei

Bis jetzt liegt die Fehlerquote der Supernasen bei null. „Es gab Fälle, bei denen wir dachten, da kann gar kein Schimmel sein, aber die Hunde behalten immer Recht. Auch wenn der Schimmel nicht mehr aktiv ist, riechen sie ihn“, erzählt die Architektin. So etwa bei einem Feuerwehrhaus: Dort lag ein reparierter Wasserschaden 30 Jahre zurück, dennoch hatten mehrere Feuerwehrleute mit Atemwegsproblemen zu kämpfen. Schuld waren die Schimmelsporen, die hinter der Wand verborgen waren.

Wenn Schimmel auftritt, ist das meist ein Zusammenspiel aus Gebäudemängeln und falschem Nutzerverhalten. Jacobs: „Es gibt kein hundertprozentig schimmelfreies Haus, Schimmel ist immer da. Er wächst indes nur dort, wo er einen Nährboden findet.“

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