Mit der Spürnase auf Vermisstensuche

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Kati Müller und ihr Hund Diego bilden ein Team.

Taunus – Wird eine Vermisstensuche im Radio durchgegeben, sind mit großer Wahrscheinlichkeit die Helfer der Rettungshundestaffel vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Einsatz. Von Ingrid Zöllner

Eine von ihnen ist die Staffel der Ortsvereinigung Friedberg mit 13 menschlichen und 25 tierischen Helfern. Ausbildungsleiterin Kati Müller formt aus allen ein Rettungsteam.

Diego steht mit gespitzten Ohren am Waldrand. Aufgeregt wartet der fünfjährige Australian Cattle Dog auf Anweisung. Er trägt ein Geschirr mit einem roten Kreuz und einem Glöckchen. Müller gibt das Handzeichen und Diego flitzt in den Wald hinein. Die Ausbildungsleiterin folgt ihm über das unwegsame Gelände. Bei Tageslicht ist Diego noch zu sehen, bei Dunkelheit weiß Müller anhand des bimmelnden Glöckchens, wo sich die Spürnase gerade befindet.

Nur Flächen, keine Trümmersuche

Diego läuft bei der Suche etwa 50 Meter von seiner Hundeführerin entfernt.

Seit Ende 2011 ist die 39-Jährige Ausbildungsleiterin in Friedberg. Dazu gekommen war die Wehrheimerin durch Zufall. Sie besuchte mit dem damals knapp zwei Jahre alten Cosmo und dem fünf Monate alten Diego die Hundeteam-Schule von Michael Stefan und Anita Balser in Wehrheim. „Michael sprach mich an, ob ich Interesse hätte, bei der DRK-Rettungshundestaffel in Friedberg mitzuwirken. So habe ich dort angefangen“, erzählt Müller, die als Krankenschwester im Frankfurter Markus-Krankenhaus arbeitet. Die Ausbildung für Mensch und Tier dauert im Schnitt rund zwei Jahre. Die Rotkreuzler müssen unter anderem einen Funklehrgang und eine Sanitäterausbildung absolvieren.

Rund fünf Monate vor der Prüfungsabnahme gab es in der Ortsvereinigung Friedberg nur noch einen Ausbilder. „Unser Staffelleiter Timo Durchdewald entschied, dass ich und Daniela Scherber 2009 die kommissarische Leitung übernehmen sollten“, erzählt Müller, die nebenher als Hundetrainerin arbeitet. Nach der Rettungshundeprüfung packte sie eine Fortbildung obendrauf, so dass sie Ende 2011 zur offiziellen Ausbildungsleiterin ernannt wurde. Inzwischen haben ihre eigenen Hunde mehrere Prüfungen hinter sich. Ein Rettungshund muss alle 18 Monate geprüft werden, um weiterarbeiten zu dürfen. Dafür erhält er eine Marke, die ihn als Rettungshund ausweist. Auf der Rückseite ist wie bei einer TÜV-Plakette zu sehen, wann der nächste Termin ansteht. Die Friedberger Staffel ist momentan nur auf Flächensuche konzentriert, weil Übungsmöglichkeiten für Trümmersuchen fehlen.

Arbeitsintensive Tätigkeit

Trainiert wird zwei Mal pro Woche in unterschiedlichen Gebieten. „Wir nutzen Flächen in Friedberg, Bad Homburg, Ober-Mörlen, Echzell und Altenstadt“, berichtet die 39-Jährige, deren Kinder Luana und Lennart auch schon mal bei der Staffelarbeit hineingeschnuppert haben. Rund zehn Stunden in der Woche investiert sie in die Arbeit. „Das geht nur mit Unterstützung der Familie. Die Arbeit mit der Staffel ist zeitintensiv. Wer damit anfangen möchte, sollte sich das vorher genau überlegen“, stellt Müller klar.

Nicht jeder Hund eignet sich für die Staffel. Im Vorteil sind Jagd- und Hütehunde wie Border Collie, Australian Shepherd und Australian Cattle Dog. Zu groß darf er nicht sein. „Wir üben unter anderem, dass ein Hund von einer fremden Person getragen wird, wenn er selbst ein Hindernis nicht erklimmen kann“, erklärt Müller. Wichtig ist, dass er einen ausgeprägten Spiel- oder Beutetrieb hat. Eine Belohnung in Form von Futter oder Spielzeug ist die Motivation, den Vermissten zu finden. Die Konditionierung erfolgt daher über den vom Vierbeiner aufgespürten Mensch.

Bellen bis zum Fund

Diego läuft bei der Suche etwa 50 Meter von seiner Hundeführerin entfernt. Findet er den Vermissten, stellt er sich daneben und bellt so lange, bis Müller bei ihm ist. Zwischen zehn und 15 Einsätze haben sie pro Jahr. In den meisten Fällen geht es entweder um Verwirrte, die aus einem Heim entlaufen sind oder akut Suizidgefährdete. „Es kommt auch vor, dass uns die Polizei anfordert, weil sie ein verunglücktes Auto ohne Fahrer entdeckt“, berichtet Müller. Der Vorteil einer Hundestaffel liegt auf der Hand: Wo sonst bis zu 30 Mann bei der Flächensuche notwendig wären, schafft ein Hund das allein.

Mehr Infos unter www.drk-rettungshunde-friedberg.de.

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