Roßdorf will den Anfang machen

Kastrationspflicht: Muss bald jede Katze in Hessen unters Messer?

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Ein Köder lockt den Streuner in die Falle: Gabriele Dobner zeigt, wie sie versucht, verwilderte Katzen zu fangen.

Region Rhein-Main – Die Tierheime der Region haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Vor allem verwilderte Katzen werden kaum noch aufgenommen. Dazu kommt, dass die Tiere oft krank sind. In Roßdorf soll eine Kastrationspflicht die unkontrollierte Vermehrung der Stubentiger bremsen. Von Dirk Beutel

Um ungewollten Katzennachwuchs zu bremsen, will die Gemeinde Roßdorf jetzt eine Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen durchsetzen. 

Sie sind von Parasiten befallen, krank, unterernährt und es werden immer mehr: Verwilderte und heimatlose Katzen. Etwa zwei Millionen leben in Deutschland auf der Straße. Um die Tiere zu schützen, die stetig steigende unkontrollierte Vermehrung zu bremsen und die Tierheime zu entlassten, ist jetzt Roßdorf nach vorne geprescht. Als eine der ersten Gemeinden in Hessen wurde dort von SPD, CDU und FDP ein Prüfantrag für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Hauskatzen beschlossen.

Unterstützung kommt von zahlreichen Tierschützern, die schon längst wegen der stetig steigenden und unkontrollierten Population Alarm schlagen. „Die Tierschutzvereine stehen mit dem Rücken zur Wand. Sie bekommen das Problem nicht in den Griff, was auch zu finanziellen Engpässen führt“, sagt Mike Ruckelshaus von der Tierschutzorganisation Tasso, die finanzielle Unterstützung bei einer Kastration für klamme Katzenbesitzer anbieten würde, falls die Pflicht eingeführt wird.

Aber: Wer soll das kontrollieren? „Uns ist das Problem der Überprüfbarkeit bewusst. Das ist wie bei der Anschnallpflicht im Auto. Mittlerweile ist jeder Fahrer sensibilisiert und hält sich dran. Das wollen wir mit der Kastrationspflicht auch“, sagt Gabriele Dobner, Vorsitzende der Tierfreunde Dieburg.

Etwas weiter war bereits die Stadt Dreieich. Dort wurde der Magistrat beauftragt, eine Satzung für eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen vorzulegen. Allerdings wurde der Antrag zurückgestellt. „Wir gehen davon aus, dass wir für dieses Gesetz keine Mehrheiten bekommen“, sagt Roland Kreyscher, Fraktionssprecher der Dreieicher Grünen. „Wir warten auf andere Kommunen, um uns an deren Verordnung zu orientieren und besser argumentieren zu können.“ Doch das könnte dauern. Denn rechtlich ist eine Kastrationspflicht schwer durchzusetzen.

Als Vorreiter gilt die Stadt Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Dort werde das Gesetz seit 2008 erfolgreich praktiziert. Alleine durch die öffentliche Bekanntmachung sei dort die Kastrationsrate um 40 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt durch die Androhung eines Bußgeldes. „Mit so einer Verordnung hätten wir eine ganz andere Handhabe, um Katzenbesitzer aufzuklären und an ihre Verantwortung zu appellieren“, sagt Kreyscher. Und darauf setzt auch die Gemeinde Roßdorf.

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