Der Hase ist out

Jugendliche wollen Smartphones statt Kaninchen

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So süß und trotzdem will sie keiner haben: Drei niedliche Kaninchen, die zur Familie der Hasen gehören.

Region Rhein-Main – Kaninchen in der Krise! Die süßen Puschel-Ohren werden immer seltener gehalten. Vor allem Kinder haben die Begeisterung für die kleinen Häschen verloren. Der Grund: Smartphones sind wichtiger. Von Christian Reinartz

Dass Kinder heute mit fünf oder sechs Jahren ein Kaninchen bekommen, das sie hegen und pflegen, ist heute selten. Davon ist der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbands der Rassekaninchenzüchter in Hessen und Nassau, Armin Schön, überzeugt. „Den Kindern ist es viel wichtiger, ein gutes Smartphone oder einen Computer zu haben.“

Auch bei der Tierschutzorganisation Tasso mit Sitz in Hattersheim bestätigt Sprecherin Andrea Thümmel: „So ein Kaninchen ist für die Kinder in dieser schnelllebigen Zeit nicht mehr attraktiv genug.“ Sie beobachtet schon seit längerem, dass der Trend weg vom Haustier geht. „Wenn überhaupt, dann muss es gleich ein Hund oder eine Katze sein.“

Wenn schon ein Haustier, dann ein richtiges

Untermauert wird diese Entwicklung von Zahlen des Industrieverbands Heimtierbedarf. Danach sind die Zahlen der Kaninchenhalter seit Jahren rückläufig. Allein 2011 sind die Zahlen um fast vier Prozent gesunken. In den Jahren davor waren die Einbrüche noch größer. Hunde verzeichneten dagegen ein leichtes Plus, die Zahl der Katzen blieb konstant.

„Das Problem ist auch, dass die Kinder keine Zeit mehr haben, sich um ein Tier zu kümmern“, sagt Armin Schön. „Zwischen den zahllosen Terminen, die die Kleinen heute noch nach der Schule haben, bleibt eben keine Zeit für ein Kaninchen.“

Kaninchen halten, bedeutet Verantwortung übernehmen

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Dass die Zahl der gehaltenen Kaninchen rückläufig ist, hat aber offenbar auch direkte Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder. Andrea Thümmel von Tasso ist überzeugt: „Viele Kinder haben so gelernt, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Das funktioniert heute nicht mehr.“ Stattdessen werde ein Familientier, wie Hund oder Katze, angeschafft, um das sich dann letzten Endes die Eltern kümmerten.
Eine mögliche Erklärung, warum immer mehr Kinder offenbar das Smartphone dem Kaninchen vorziehen, erklärt die Frankfurter Sozialpsychologin Alina Hernandez Bark: „Kinder und Jugendliche sind immer auf der Suche nach Bestätigung.“ Früher sei das kein Problem gewesen, weil da viel mehr der direkte Kontakt zählte. Eine Situation, in der man auch mit Kaninchen punkten konnte. „Heute hat sich ein Teil der Kommunikation auf soziale Netzwerke verlagert. Deswegen sind Computer und Smartphone jetzt auch wichtiger.“ Dazu käme, dass ein Kaninchen selbst keine Interaktion mit seinem Besitzer pflege. „Ein Hund gibt Kindern durch sein Verhalten und seine Reaktion Bestätigung. Kaninchen können das nicht.“

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Eine gute Entwicklung ist das freilich nicht. Hernandez Bark rät deshalb grundsätzlich dazu, dass Kinder ein Tier halten. „Das hat so viele Vorteile und schafft ein Verantwortungsbewusstsein.“ So sei es erwiesen, dass das Streicheln auch bei Kindern Stress abbaue. Und Kaninchen lassen sich sehr gut streicheln...

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