Auf dem Land sterben sie aus

Von wegen Plage! Stadt-Kaninchen retten ihre Art

+
Kaninchen haben die Großstadt Frankfurt schon lange erobert. Im Gegensatz dazu sterben die Tiere in vielen Gebieten auf dem Land aus.

Frankfurt – Seit Jahren wird von einer Kaninchen-Plage in Frankfurt gesprochen. Im Gegensatz dazu sterben die Hüpfer in vielen Gebieten auf dem Land aus. Die Stadt- Kaninchen könnten aber helfen, genau dieses Problem zu lösen. Von Angelika Pöppel

Die flauschigen Langohren haben Frankfurt erobert und hoppeln zahlreich in Parks und Wohngebieten. Für die meisten ein niedlicher Anblick. Für die Stadt ein Problem: Die Kaninchen untergraben Wiesen, nagen die Rinde ab bis Bäume sterben und sorgen sogar für Baustopps. „Vor einigen Jahren haben wir den Schaden an den Bäumen im Rebstockpark auf bis zu 12.000 Euro geschätzt“, weiß Bernd Roser, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung in Frankfurt. Das ist allerdings nichts gegen den Schaden, den die Kaninchen vor wenigen Jahren am Chemiewerk in Höchst angerichtet haben. „Die Sanierungsarbeiten wegen rund sieben Kaninchen, die auf dem Gelände gegraben haben, beliefen sich auf rund 100.000 Euro“, erzählt Axel Seidemann, professioneller Kaninchenfänger der Stadt. Seit Jahren fängt er die Tiere ein, um die Population in Frankfurt unter Kontrolle zu halten. Doch: „Es gibt immer noch Parks, in denen man von einer Plage sprechen kann.“

Auf dem Land sterben die Hoppler aus

Doch die Frankfurter Hoppler könnten auch zum Vorteil werden. Denn auf dem Land werden die Bedingungen für Kaninchen immer schlechter. In der Landwirtschaft werden größere Maschinen eingesetzt, die die Baue der Tiere zerstören. Felder werden zusammengelegt so dass Kaninchen größere Strecken zurücklegen müssten, um an Nahrung zu kommen. Doch die nachtaktiven Tiere bewegen sich nur rund 350 Meter im Umkreis. Die wenigen Tiere die das überleben, finden den Tod spätestens auf der Landstraße. Konsequenz: In einigen Gebieten sind die Kaninchen bereits komplett ausgestorben. „In der Wetterau und in den höheren Lagen auf dem Vogelsberg leben heute keine Kaninchen mehr“, sagt Seidemann. Deshalb ist Seidemann dafür, Kaninchen auf dem Land auszusetzen. Laut Studien lassen sich die Tiere so wieder ansiedeln. „In Spanien wurden bereits tausende Tiere aus Städten umgesiedelt – das funktioniert!“ Sie brauchen lediglich eine Umgebung mit Wiesen und Büschen.

Frankfurt für Kaninchen ideal

So wie sie es in Frankfurt vorfinden. „Die Stadt ist die ideale Spielwiese für Kaninchen“, sagt Seidemann. Der abwechslungsreiche Lebensraum in Parks und Wohngebieten bietet den flauschigen Stadt-Bewohnern viele kleine Ecken, in die sie sich zurückziehen können. Und im Laufe der Jahre haben sich die Tiere auch an den Großstadtdschungel angepasst. Seidemann: „Die Stadt-Kaninchen sind an den Menschen gewöhnt, sind stress-resistenter geworden und vermehren sich deshalb stärker.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare