Invasion der Monster-Käfer: Hanauer rettet die ganze Region

Als Nils Meißner seine Balkontür aufmacht, erschreckt er sich. Ein sechs Zentimeter großer schwarzer Käfer mit weißen Punkten fällt vom Türrahmen herunter, will schnell in eine Ritze krabbeln.

Doch der 34-Jährige schnappt sich ein Cappuccino-Glas und stülpt es blitzschnell über das riesige Insekt.Weil Meißner noch keinen so großen Käfer gesehen hat, geht er ins Internet. Dann stockt ihm der Atem. Der Käfer ist ein Anoplophora Chinensis, ein gefährlicher Schädling, der den Behörden gemeldet werden muss.Doch bis das Gießener Regierungspräsidium reagiert, dauert es. Als endlich ein Mitarbeiter des Pflanzenschutzdezernats an Meißner Wohnungstür klopft, lebt der schwarze Käfer schon geschlagene vier Tage unter dem Cappuccino-Glas, immer bewacht von Meißner und seiner Frau. Erst jetzt wird klar, wie gefährlich sein Fang ist."Als der Mann vom Amt den Käfer gesehen hat war er total aufgeregt und hat nervös telefoniert", sagt Meißner. Als er von Quarantäne spricht, bekommt der gelernte Drucker es mit der Angst zu tun. "Der hat gleich den Oberbürgermeister angerufen und eine Krisensitzung einberufen, weil ja niemand wusste, woher der Käfer kam", sagt Meißner: "Die haben wahrscheinlich gedacht, sie müssten jetzt ganz Hanau unter abholzen."Er selbst habe dann nochmal im Internet geschaut und herausgefunden, dass die Tiere asiatischen Fächerahorn lieben. Einen solchen hatte sich Meißner im Jahr zuvor gekauft. Volltreffer! Im Innern der Pflanze war der Käfer unbemerkt herangewachsen und hatte sich dann nach außen gefressen. Die Käferhöle war gefunden und das Regierungspräsidium glücklich. Denn mit seinem Eingreifen hat Nils Meißner eine Katastrophe verhindert, der vielleicht die gesamten Waldbestände der Region zum Opfer gefallen wären."Diese Käfer sind extrem gefährlich", bestätigt Michael Löber, Bereichsleiter Produktion des Forstamts in Langen. Laut ihm vereinen die asiatischen Super-Insekten alle schlimmen Eigenschaften die ein Käfer nur haben kann. Sie sind gefräßiger als die einheimischen Bockkäfer und vermehren sich dazu noch in rasender Geschwindigkeit. Ein Supergau für den heimischen Wald. "Diese Tiere können in kürzester Zeit ganze Landstriche befallen", sagt Löber. Die Bäume können dann nur noch abgeholzt werden.Leben die Tiere gar unbemerkt in einem Baum, wird dieser so morsch, dass er von selbst umfallen kann. Dann wären sogar Menschen gefährdet. Denn im Falle eines Super-Befalls könnten die Waldarbeiter mit dem Fällen gar nicht nachkommen, sind sich Fachleute sicher. Dazu kommt noch der finanzielle Schaden, den der Citrusbock-Käfer mit seinem unbändigen Appetit auf frisches Holz anrichten würde.Für wenige Sekunden war dieses Horror-Szenario zum greifen nah. Bis Nils Meißner ein Cappuccino-Glas darüber stülpte.br /

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