Immer weniger private Auffangstationen in der Region

In Offenbach, Frankfurt, Taunus: Keine Hilfe für Igel in Not

+
n sicheren Händen: Petra Kipper aus Rodgau hat eine afrikanische Weißbauchigel-Familie in ihrer Wildtierauffangstation untergebracht. Einheimische Igel darf sie nicht mehr aufnehmen.

Region Rhein-Main – Abgemagerte oder verletzte Igel brauchen die Hilfe von Profis. Doch in der Region gibt es immer weniger private Auffangstationen. Von Angelika Pöppel

Wer einen abgemagerten und schutzlosen Igel findet, sollte das kleine Tier in sichere Hände geben. Beste Anlaufstelle: Wildtierauffangstationen. Doch immer weniger Tierliebhaber betreiben die privaten Aufpäppel-Heime. Gerade für Igel sieht es in der Region schlecht aus. Rund um Offenbach, in Frankfurt und auch im Taunus sucht man vergeblich nach Hilfe. Nachdem die Igel-Insel in Mühlheim bereits 2011 dicht machte, blieb nur noch Petra Kipper aus Rodgau. Doch seit diesem Jahr nimmt sie zwar weiterhin Reptilien, Exoten und Wildtiere auf. Igeln gibt sie allerdings kein Zuhause auf Zeit mehr. „Die Genehmigung ist einfach zu teuer“, sagt Kipper. Anders als bei Reptilien und Exoten müsse sie für jeden einzelnen Säuger eine befristete Genehmigung anfordern und zahlen. „Und das kann jedesmal über 500 Euro kosten“, fügt sie hinzu. Für die alleinerziehende Mutter, die die Medikamente, die Unterbringung und das Futter der Tiere aus eigener Tasche bezahlt, ist das einfach zu viel. Deshalb füttert sie derzeit nur ihre exotische Igel-Familie durch – die afrikanischen Weißbauchigel. „Das sind Tiere, die in der Zoohandlungen gekauft und dann irgendwann ausgesetzt worden sind“, erklärt die Tierliebhaberin.

So werden Igel aufgepäppelt

Einheimische Igel dagegen sind Wildtiere. Sie brauchen nur Hilfe, wenn sie verletzt, krank oder abgemagert sind. Und Kipper warnt: „Viele geben Igel ab, obwohl sie kerngesund sind.“ Denn auch wenn die stacheligen Säugetiere derzeit tagsüber unterwegs sind, ist das nicht zwangsläufig ein Zeichen dafür, dass sie verwirrt oder hilfebedürftig sind. „Sie sind auch tagsüber auf Nahrungssuche, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten“, erklärt Kipper. Ganz klar sind Igel in Gefahr: Wenn sie sich schwankend fortbewegen, husten, nicht einrollen, zwischen ihren Stacheln Würmer zu sehen sind oder Jungtiere im November unter 300 Gramm wiegen. „Igel sollten immer zuerst gewogen werden – das ist das A und O“, sagt die Rodgauerin. Sind die Tierchen schwer genug, müssen sie wieder ausgesetzt werden. Alarmstufe rot heißt es dagegen bei einem Befall von Fliegeneiern: Die Parasiten sehen aus wie Sägespäne zwischen den Stacheln. „Die geschlüpften Larven fressen die Tiere lebendig auf“, erklärt Kipper. Deshalb müsse schnell gehandelt werden. Auch Lungenwürmer sind gefährlich und die Haupttodesursache bei den Säugern. Dennoch müssen nicht alle Tiere zwangsläufig entwurmt werden. Nicht nur, dass Igel keine Milch vertragen und ein Maschendrahtzaun im Garten zur tödlichen Falle für sie werden kann – das Aufpäppeln sollte den Profis überlassen werden.

Dennoch hält der Kreis Offenbach scheinbar eine Auffangstation nicht für dringend notwendig: „Grundsätzlich brauchen nur ganz wenige Igel im Herbst tatsächlich Hilfe und zwar wenn sie erkennbar krank oder verletzt sind“, sagt Kordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises Offenbach. Von Seiten des Kreises gebe es keine Verpflichtung zur Aufnahme von Wildtieren. Allerdings verweist der Kreis auf die nächstgelegene Auffangstation der Wildtierfreunde in Hanau

Kommentare