Wenn der Hund vor die Hunde geht

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Der Hund Idi Amin im Zwinger des Dreieicher Tierheims.  Foto: rz

Dreieich – Im Leben des wuscheligen Husky-Schäferhundmischlings ist so ziemlich alles schiefgelaufen. Nicht einmal sein Name ist normal: Idi Amin! So wie der mordlüsterne Diktator. Zurzeit sitzt er im Dreieicher Tierheim. Nur weil sein Frauchen und die Nachbarin sich streiten. Von Christian Reinartz

Der einstmals stolze Rüde ist schreckhaft geworden. Eine schnelle Bewegung und er zuckt zurück. Zu tief hat sich das Pfefferspray der Polizisten in die Augen und sein Hundeherz gebrannt. Dabei können die Beamten nicht mal was dafür, denn sie haben sich nur verteidigt. Verteidigt, weil Idi Amin die Zähne gefletscht hat, als die Beamten Ende Februar der Wohnung von Frauchen Marion B. einen Besuch abstatten. Mal wieder ist sie von ihrer Nachbarin Nachbarin Edda J. angeschwärzt worden. Mal wieder hat J. behauptet, Idi Amin laufe ohne Leine durch das Mietshaus und habe sie gebissen. Der Streit zwischen den beiden Nachbarinnen schwelt seit Jahren. Wobei Edda J. immer die ist, die sich bei Polizei und Ordnungsamt beschwert. Marion B. nimmt längst an, dass ihre Nachbarin sie mit ihrem Hund unter Druck setzen will.

Als Marion B. die Haustür diesmal öffnet, ist sie in einem schlechten Zustand, kann sich kaum bewegen, weil sie Schmerzen im Nacken hat. Die Beamten wollen sie in die Klinik bringen, doch Idi Amin hat Angst um sein Frauchen, bellt, fletscht die Zähne und rennt auf die Polizisten zu. Die wissen sich nicht anders zu helfen, als dem Hund eine Ladung Pfefferspray zu verpassen. Danach sei der Hund mit eingeklemmten Schwanz in der Wohnung verschwunden, B. wurde in die Klinik gebracht und Idi Amin ins Tierheim. Seitdem kämpft Marion B. darum, ihren Liebling wieder zurückzubekommen. Doch beim Ordnungsamt der Stadt Dreieich ist man unnachgiebig: „Die Frau ist unserer Ansicht nach nicht dazu geeignet, den Hund Idi Amin zu führen“, sagt der zuständige Fachbereichsleiter des Ordnungsamts Heinz-Thomas Müller. Im Moment sei der Fall in einem Eilverfahren vor Gericht. „Sollten wir verlieren, wird Frau B. trotzdem einen Sachkundenachweis erbringen müssen.“ Im Ordnungsamt gehe man aber nicht davon aus, dass ihr dies gelinge. „Ich glaube nicht, dass sie ihren Hund noch einmal zurückbekommt“, sagt Müller. Zu viele Beißvorfälle seien schon aktenkundig.

Der Rechtsanwalt von Marion B., Andreas Gross, zweifelt diese Akten jedoch an. „Die Beißvorfälle sollen sich immer nur innerhalb dieses Streits zugetragen haben“, sagt Gross. Dazu passe es auch, dass die vorgelegten ärtzlichen Atteste allesamt unzureichend seien. „Da hat der Nachbarin immer derselbe Arzt in einem Satz bestätigt, dass sie vom Hund gebissen wurde. Keine genauen Untersuchungsergebnisse oder Beschreibung der Verletzung.“ Man müsse schon blind sein, um da nicht nachdenklich zu werden, so Andreas Gross.

Offenbar setze die Nachbarin diese Anschuldigungen ein, um seiner Mandantin zu schaden. Ein Zivil-Prozess, in dem es um Schmerzensgeld ging, hat Edda J. offenbar schon verloren. Die Richterin habe es als erwiesen angesehen, dass sich die Beißattacke so nicht zugetragen haben kann, sagt Gross.

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