Hier wütet die Horror-Seuche!

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Die beiden Taunus-Schäfer Jürgen Stöpel und Andreas Kunzelmann (mit Hut) bangen um ihre Lämmer.

Taunus – Wenn sie über ihre 80 verkrüppelten, toten Lämmer sprechen, kämpfen drei gestandene Schäfer aus Königstein mit den Tränen. Das Schmallenberg-Virus wütet im Taunus, offenbar eingeschleppt per Warenlieferung aus Asien. Von Christian Reinartz

Schafzüchter Peter Haug ist sauer: „Der Handel verursacht so etwas furchtbares, und wir Schäfer dürfen es ausbaden.“ Es sind Szenen, wie aus einem Horror-Film. Schäfer und Tierarzt Peter Haug kommt morgens in seinen Stall, findet das erste Lämmchen. Es ist tot, gleicht einem Fleischpaket. Die Gliedmaßen widernatürlich verdreht. Das Köpfchen verkrüppelt. „Erst wussten wir gar nicht, was los ist.“ Als Haug das erzählt, muss er schlucken. Allein die Erinnerung daran ist belastend. Was folgt, ist eine ganze Serie solcher Totgeburten. 80 Stück. Manche der Lämmchen leben sogar noch, liegen wimmernd im Stroh, können nicht aufstehen, nicht richtig atmen. „Die mussten wir totmachen“, sagt Haug. Manche Lämmer sind so stark deformiert, dass sie gar nicht aus dem Mutterleib herauskommen können. Die Föten werden dann innerlich zersetzt, die Muttertiere werden qualvoll innerlich vergiftet. „Zwar kann man durch einen Kaiserschnitt das Mutterschaf retten. Aber finden sie mal so ein Schaf, bei einer Herde von 600 Tieren.“

Schäfer Peter Haug

Hauptberuflich ist Haug Tierarzt, ist eigentlich abgehärtet. Aber seine Augen bekommen in diesen Momenten einen feuchten Schimmer. „Ich war schon soweit, dass ich keine Lust mehr hatte, überhaupt den Stall zu betreten.“Die Ursache für die vielen Missbildungen ist das so genannte Schmallenberg-Virus, gegen das es noch keine Impfung gibt. Der Erreger kommt hauptsächlich in Asien vor und löst bei erwachsenen Tieren nur eine fiebrige Erkrankung aus. Sind die Schafe allerdings trächtig, schädigt das Virus das ungeborene Lämmchen. Steife Gelenke und verkürzte Sehnen sind die Folge. Dazu kommen schwere Hirnschäden. „Das ist ein furchtbarer Anblick“, sagt Schäfer Jürgen Stöpel: „Ich habe so großes Mitleid mit den Tieren, weil sie so leiden.“ Sein Kollege, Altschäfer Andreas Kunzelmann, hütet seit 70 Jahren Schafe. „Aber so etwas Schlimmes habe ich wirklich noch nie erlebt“, sagt er erschüttert.

Eingeschleppt wurde das Asia-Virus mit Blumen- oder anderen Warenlieferungen, vermutet Peter Haug. Gnitzen, das sind kleine blutsaugende Mücken, seien dabei der Überträger. Haug ärgert sich deswegen. „Wir müssen ständig neue und teure Auflagen erfüllen“, sagt der Tierarzt. „Aber bei Importeuren von Waren wird da offenbar ein anderer Maßstab angelegt. Jetzt dürfen wir das ausbaden.

Neben dem Leid der Tiere, ist Haug auch ein finanzieller Schaden entstanden, 7000 Euro fehlen in der Schäferkasse. Im Moment hat sich die Lage beruhigt. Doch schon im Sommer könnte es wieder losgehen mit der Horrorseuche. Dann erwartet Haug die nächsten Lämmer.

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