Dicker Hund: Haustiere werden immer fetter

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Viele Hunde haben wie Heinrich Übergewicht.

Frankfurt – Die Hälfte aller Haustiere in Frankfurt sind zu fett. Sie leiden an extremem Übergewicht, nur weil sich ihre Herrchen nicht beherrschen können. Statt sie wie vom Tierarzt empfohlen zu füttern, werden die Vierbeiner regelrecht zu Tode gemästet. Von Christian Reinartz

Sie sterben meist jämmerlich an den Auswirkungen der Verfettung: Diabetes, Gelenkschäden und dem langsamen Versagen der inneren Organe. Die werden von den Fettmassen nämlich im wahrsten Sinne des Wortes innerlich erdrückt.

Die Herrchen ahnen davon nichts. Im Gegenteil: Sie wollen ihren treuen Gefährten nur etwas Gutes tun und stopfen munter Käse-Cracker, Hundewürstchen und Katzen-Schokolade in ihre Haustiere hinein. Ein tödlicher Mix, wie die Frankfurter Tierärztin Maja Firlé erklärt.

Und ich habe immer gedacht, ich tue meinem Heinrich etwas Gutes, wenn ich ihm die Reste vom Mittagessen in den Napf getan habe“, sagt Elfriede Schablinsky ganz verzweifelt. Dass sich der ehemals quietschfidele schwarze Mischling langsam zum Sofahund mit Hängebauch entwickelt hat, sei ihr im Lauf der Jahre gar nicht aufgefallen. Jetzt sei ihr das peinlich. Nach einem Kollaps des achtjährigen Hundes im Frankfurter Ostpark, muss sie nun erstmal täglich teures Insulin spritzen, bis Heinrich von seinen 44 Kilogramm runter ist. Laut Tierarzt sind 30 Kilo normal.

Fett-Problem wird immer schlimmer

Ist das Haustier erst einmal so dick, hilft nur noch ein strenger Diätplan.

Beim Bundesverband der Tierärzte in Frankfurt ist man auf das Problem ebenfalls aufmerksam geworden. „Viele Haustiere könnten einige Jahre länger leben, wenn sie nicht überfüttert würden“, sagt Pressesprecherin und Tierärztin Astrid Behr. Sie hat festgestellt: „Das Fett-Problem wird in der letzten Zeit immer schlimmer.“ Den Ursprung dieser Entwicklung sieht sie im Überangebot an Futtermitteln in den speziellen Tier-Supermärkten. „Da wird einfach gekauft. Egal ob es zu viel für das Tier ist oder nicht.

Die andere Ursache für die fortschreitende Verfettung der Haustiere sieht die Veterinärin in der fehlenden Bewegung der Vierbeiner. „Wir sind selbst faul geworden und bewegen uns nicht mehr. Das überträgt sich auf die Tiere“, so Behr. Statt langen Spaziergängen mit dem Hund werde nur mal kurz um die Ecke gegangen. Auch, dass jeder Stubentiger pro Tag mindestens eine Stunde spielen will, werde völlig vernachlässigt.

„Diese Tier bekommt man meist gar nicht dünn“

Tierärztin Maja Firlé, die in ihrer Praxis an der Bockenheimer Robert-Mayer-Straße schwergewichtige Vierbeiner behandelt, bestätigt diese Einschätzung: „Diese Tiere bekommt man meist gar nicht mehr dünn.“ Oftmals seien es Familien-Tiere, die im Lauf des Tages von verschiedenen Personen gefüttert würden. „Da hilft selbst der strengste Diätplan nichts mehr.“ Bei schwierigen Fällen hat Maja Firlé auch schon Appetitzügler verordnet. Die sollten die Fresslust eindämmern. „Einen Erfolg hat man aber selbst damit nicht.“ Sie empfiehlt spezielles Diätfutter mit einem extrem hohen Sättigungsgrad.

Für Heinrich ist Abnehmen die letzte Chance. Hält Elfriede Schablinsky sich nicht an den strengen Diätplan vom Tierarzt, wird Heinrich, wie tausende andere Hunde und Katzen in der Region, zu früh sterben.

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