Vermittlung von Kaninchen aus dem Tierheim

Ehepaar stolpert über Auflagen

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Hans Jürgen Lungwitz mit Kaninchen Timmy.

Region Rhein-Main – Nach dem EXTRA TIPP-Artikel über die vielen Kaninchen in Tierheimen der Region, wollte Familie Lungwitz einem der Langohren ein neues Zuhause schenken. Doch die Vermittlung bringt viele Hürden mit sich. Von Fabienne Seibel 

„Holt sie raus! Diese (Oster-)Hasen suchen ein neues Zuhause“ schrieb der EXTRA TIPP zu Ostern. Familie Lungwitz aus Frankfurt fasste sich ein Herz und wollte für ihr Kaninchen Timmy noch weibliche Gesellschaft aus dem Tierheim holen. „Unsere Enkeltochter hat uns auf die Idee gebracht, dass Timmy noch eine Freundin braucht“, sagt Anita Lungwitz. Die Tierliebhaberin und ihr Mann haben jahrelange Erfahrung in der Kaninchenzucht, einen gedämmten Stall und ein großzügiges Außengehege in ihrem Garten. „Bevor wir ins Tierheim gefahren sind, haben wir direkt einen Termin für die Kastration von Timmy vereinbart, damit es keine Probleme mit dem Weibchen gibt“, sagt die 67-Jährige.

Nach dem Besuch im Tierheim Offenbach und Frankfurt-Fechenheim geht das Ehepaar Lungwitz jedoch ohne Kaninchen nach Hause. „Obwohl wir die optimalen Voraussetzungen für die Kaninchen-Haltung bieten, wurden uns Steine in den Weg gelegt“, ärgert sich der Frankfurter Hans Jürgen Lungwitz: „Man glaubte uns nicht, dass wir Timmy kastrieren lassen, außerdem hieß es, dass wir das Kaninchen nicht draußen halten können, weil die Tiere nur an die Innenhaltung gewöhnt sind. Wir sollten auch Fotos von unserem Gehege vorzeigen und Timmy mitbringen, um zu prüfen, ob er sich mit dem anderen Kaninchen versteht.“ Stattdessen hat das Paar nun ein Kaninchen-Baby vom Züchter. Anita Lungwitz: „Warum wird es einem so schwer gemacht, wenn man Gutes tun will? So kommen die Kaninchen niemals aus den Tierheimen raus.“

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Von Seiten des Tierheims Frankfurt-Fechenheim sieht die Sache ganz anders aus. Tierheimleiterin Sabine Urbainsky: „Weil die Kaninchen im Tierheim nur drinnen gehalten werden, haben sie kein ausgeprägtes Winterfell. Da jetzt im Frühjahr die Temperaturen noch schwankend sind, ist das gesundheitliche Risiko zu hoch, solch ein Kaninchen draußen zu halten.“ Sie erklärt: „Bei milderen Temperaturen können diese Kaninchen auch dauerhaft nach draußen. Dann gewöhnen sie sich an alles, ihr Immunsystem stellt sich um und sie sind auch für den nächsten Winter gerüstet.“ Urbainsky zufolge ist es ebenfalls gängig, bei der Vermittlung eines Zweit-Kaninchens zu schauen, ob sich die Tiere verstehen. „Bei uns gibt es ein Kennenlernareal, bei dem die Kaninchen zusammengeführt werden, um zu verhindern, dass es nach der Vermittlung zu Beißereien kommt.“ Sie merkt an: „Uns liegt es am Herzen, dass die Kaninchen ein schönes, neues Zuhause bekommen. Dass wir deshalb bei der Vermittlung ganz genau hinschauen und manches in Zweifel ziehen, verstehen manche nicht.“ Das hat jedoch seinen Grund: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kaninchen weniger Wertschätzung bekommen als Hunde oder Katzen und sie häufig nur lieblos in Käfige gesperrt werden. Das darf nicht passieren. “

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