Ein halbes Leben hinter Gittern

Der Begriff "Kampfhund" wird im Tierheim nicht verwendet. Kampfschmuser heißen sie dort, auch die, die vor sieben Jahren zu Dutzenden vom Offenbacher Ordnungsamt beschlagnahmt wurden. Nach der damaligen Verordnung "durfte fast niemand mehr einen solchen Hund halten" sagt Amtsleiter Peter Weigand.

Wesenstest, Maulkorb, Leinenzwang, Zuverlässigkeit des Besitzers â?? die Liste der Vorgaben zur Haltung ist lang.br /Zeitweise konnte das Tierheim an der Rheinstraße keine Hunde mehr aufnehmen, die Stadt musste ein "Auffanglager" einrichten. Inzwischen, nach mehreren Lockerungen der Hundeverordnung, werden kaum noch Listenhunde beschlagnahmt. "Zwei waren es im ersten Halbjahr 2007", sagt Weigand. Business as usual. "Derzeit haben wir insgesamt zwölf Hunde hier", berichtet Gudrun Lincke, Leiterin des Tierheimes. In Spitzenzeiten waren es über 40.br /Viele Artgenossen sah Nora kommen und gehen. Sie musste bleiben. Im Herbst 1999 wurde Nora in der Kaiserstraße aufgefunden. Ihre Besitzerin hatte sie dort zurückgelassen. Da war sie vier.Jetzt ist sie zwölf, doch Gudrun Lincke hat die Hoffnung nicht aufgegeben, auch für sie noch ein Zuhause zu finden. Zwar hat Nora eine Tätowierung, anhand derer normalerweise Herrchen oder Frauchen ausfindig gemacht werden können, doch Noras Besitzerin war umgezogen, die Suche nach ihr blieb erfolglos.br /Kontakt mit Menschen haben alle Tiere im Heim regelmäßig, täglich kommen die Gassigeher und führen die Hunde aus.Auch Joy, die seit März 2005 auf eine Vermittlung wartet. Ihr Heulen ist über den ganzen Platz zu hören. Doch auch sie ist ein Listenhund und schon in die Jahre gekommen. Ihr Herrchen hatte sich ins Ausland abgesetzt und Joy einem Nachbarn zur Pflege überlassen. Das ging jedoch nicht gut und so landete auch die Staffordshire-Terrier-Hündin im Tierheim.br /Ein Wehrmutstropfen für Nora, Joy und Co.: Das Tierheim baut gerade größere Hundeboxen, auch das ist vom Gesetz vorgeschrieben. Die alten waren zu klein.Ein Neubau kam jedoch nicht in Frage. "Viel zu teuer", sagt Gudrun Lincke. Stattdessen gab es eine Grundsanierung. Aus zwei Boxen wurde eine, neue Fliesen, frische Farben und der Wegfall der Begrenzungsgitter nach oben sorgen jetzt für ein freundliches Ambiente.br /150.000 Euro muss der Tierschutzverein Offenbach, dem das Tierheim gehört, dafür aufbringen. Von der Stadt gabâ??s 25.000 Euro und über Jahre hinweg immer wieder die Forderung, mit dem Bau zu beginnen. Das taten sie auch, am 3. September fiel der Startschuss. Drei Monate später, am Sonntag, 2. Dezember, ist von 12 bis 17 Uhr große Einweihung beim Adventsmarkt.br /Neben den zwölf Hunden tummeln sich an der Rheinstraße noch 30 Katzen, mehrere Ratten, Mäuse und Hamster sowie einige Vögel, darunter eine australische Zwergwach

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