Tierfreundin richtet Internetseite für verschwundene Katzen ein

Gehen bei uns Tierfänger auf Katzenjagd?

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Hält einen Zusammenhang für möglich: Mareike Dehren zeigt auf ein Kleider-Körbchen. Kurz nachdem es verschwunden war, kam auch ihre Lenny nicht mehr nach Hause.

Region Rhein-Main – Mysteriöses Katzenverschwinden in Rodgau. Seit Sabine Schoernig eine Liste über alle vermissten Katzen führt, wird das ganze Ausmaß erstmals sichtbar. Von Dirk Beutel

Sabine Schörnigs Augen strahlen voller Tatendrang. Doch unter ihren Eifer mischt sich auch Trauer. Ihre selbstaufgebürdete Aufgabe kann sie nur unter Tränen aussprechen: „Damit so etwas nicht noch einmal passiert. “ Es hat mit dem Verschwinden von Nicky angefangen.

Etwa ein halbes Jahr später war auch Kater Sammy unauffindbar. Als schließlich Kater Maxi im April ebenfalls auf rätselhafte Weise verschwand, war das Leid der 49-Jährigen derart angewachsen, dass sie beschloss, endlich etwas zu tun.

Sie sammelte alle Daten verschwundener Katzen aus der Umgebung und veröffentlichte ihre Ergebnisse auf einer Internetseite (www.katzenhilfe-rodgau.de). Mit Erfolg: Ihre akribische Arbeit verdeutlichte das ganze Ausmaß des Leids. Um die 60 Katzen sind seit 2011 verschwunden. „Das ist mehr als auffällig“, sagt Schörnig. Schon jetzt, Mitte 2012, hat Schörnig fast genauso viele verschwundene Katzen ermittelt wie im gesamten Jahr 2011. Der Tierliebhaberin ist klar, dass die Katzen ein unterschiedliches Schicksal ereilt haben könnte. Die Liste ist lang: Unfälle, Jäger, Tierquäler aber auch professionelle Tierfänger schließt sie nicht aus. Vor allem Tierfänger, die schon seit Jahren mit Kleidersammlungen in Verbindung gebracht werden. Dabei werden Körbchen vor den Haustüren verteilt, die mit Lockstoffen präpariert sind. Danach werden geliebte Haustiger an Versuchslabore oder deren Fell verkauft.

Rheumadecken mit Katzenfell in Deutschland

Mareike Dehren aus Langen hat ihre Katze Anfang Juni verloren. Tage- und Nächtelang suchte sie nach ihrer Lenny. Leider ohne eine Spur. Dabei lässt ein Gedanke sie nicht los: Kurz vor dem Verschwinden ihres geliebten Tieres wurden rund um ihre Siedlung Kleider-Körbchen verteilt. Aber die 35-Jährige ist Realist: „Wieso sollte sich ein professioneller Tierfänger die ganze Mühe machen?“ Trotz allem glaubt sie jedoch an Mittelsmänner, die die Katzen verschleppen.

Im Internet kursieren seit Jahren mysteriöse Fälle und Vermutungen von verschwundenen Katzen in Verbindung mit Kleidersammlungen. Doch bewiesen ist nichts.

Sigrid Jost von der Tierhilfe Riedstadt kümmert sich seit zehn Jahren um Haustierdiebstahl. Sie ist von professionellen Tierfängern überzeugt. „Da ist was dran.“ Ihr fehlen allerdings die Beweise. Auch die Tierrechtsorganisation Peta schließt diese Möglichkeit nicht aus. „Obwohl der Import von Hunde und Katzenfellen in der EU seit 2009 endlich verboten ist, sind Rheumadecken mit nichtdeklariertem Katzenfell mangels Kontrollen in Deutschland noch erhältlich und aufgrund eines unhaltbaren Mythos besteht auch weiterhin Nachfrage an diesem Produkt. Hier stellt sich ganz klar die Frage, woher das Fell stammt“, sagt Peta-Mitarbeiterin Charlotte Köhler.

Einzig der Verein Ärzte gegen Tierversuche hält nichts von der Theorie. Laut Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums werden in Deutschland im Schnitt etwa 800 Katzen für Tierversuche eingesetzt. Die allerdings kommen aus einer speziellen Zucht.

Dass Tierfänger bei uns in Deutschland ihr Unwesen treiben, halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagt Tierärztin Corina Gericke.

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