Frankfurts giftige Wohnzimmer: 12.500 illegale Haustiere!

Spinnen, aber auch Pfeilgiftfrösche gibt es viele in Frankfurter Terrarien.

Frankfurt – Statt auf Schlappohren und Flauschfell stehen Frankfurter offenbar zunehmend auf Giftstachel und Plattenpanzer. Und sind damit in Deutschland Trendsetter. Über 2500 artgeschützte und hunderte giftige Tiere sind beim Regierungspräsidium Darmstadt registriert. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Tierschutzorganisation Peta geht mittlerweile sogar von einer Gefahr für die Bevölkerung aus. Von Christian Reinartz

Die Landschildkröten sind mit fast 1200 Exemplaren in Frankfurt das kleinste Problem. Gefährlicher sind die unzähligen Giftschlangen und Spinnen, die in Frankfurter Wohnzimmern zu Hause sind. „Das ist ein ganz furchtbarer Modetrend“, sagt Nadja Kutscher, Exoten-Spezialistin der Tierschutzorganisation Peta. Sie weiß, warum gerade in Frankfurt die Menschen so verrückt nach giftigen Insekten und Reptilien sind: „Die Stadtmenschen wollen etwas Ausgefallenes haben, was sonst keiner hat.“ Doch dass die modebewussten Herrchen damit sich und ihre Umwelt in Gefahr bringen, bedenken sie nicht. Büchst nämlich eine Klapperschlange oder eine Giftspinne aus, könnte es schnell Tote geben, sind die Experten sicher.

Stadtmenschen wollen ausgefallene Haustiere

Nadja Kutscher

Auch wenn die hessische Landesregierung die Haltung gefährlicher und giftiger Tiere seit einiger Zeit verboten hat, halten sich die Frankfurter offenbar kaum daran. Petas Schätzungen zufolge liegt die tatsächliche Zahl der Exoten- und Gifttier-Halter um ein Vielfaches höher, als die Behörden registriert haben. In Frankfurt schätzt Peta die Zahl dieser Tiere auf 15.000. 12.500 mehr als angemeldet.

Und wirklich: Den Exoten-Fans steht Tür und Tor offen. Gekauft werden die Tiere ganz legal im Internet oder im Ausland. Da es nur selten Kontrollen gibt, wiegen sich die Halter in Sicherheit. Nur, wenn einer angezeigt wird, kommen die Kontrolleure vorbei. „Man kann ja nicht einfach wahllos Wohnungen durchsuchen“, argumentiert Gabriele Fillbrandt, Leiterin des Artenschutzdezernates im Regierungspräsidium Darmstadt. Und da die Tiere nie ausgeführt werden müssen, wisse man nie, was alles in den Kellern der Stadt haust.

Es kreucht und fleucht in Frankfurt

Experten halten deshalb wenig von der gesetzlichen Regelung. „Das ist doch bloß Augenwischerei“, sagt Rudolf Wicker, Leiter des Frankfurter Exotariums und stellvertretender Zoo-Chef: „Das war eine reine Verdummungsaktion nach dem Motto: Wir tun was!“ Bei der Erstellung der Liste der gefährlichen Arten, sei nicht mal ein Experte beteiligt gewesen.

Von einer Gefahr für die Bevölkerung geht er nicht aus: „Man muss das in der Relation sehen. Die Gefahr, von einem giftigen Tier gebissen zu werden, ist viel kleiner, als im Straßenverkehr zu verunglücken.“

Auch Wicker ist aufgefallen, dass immer mehr Menschen nur aus Modegründen exotische Tiere halten wollen. „Dabei haben diese Leute von der Materie gar keine Ahnung und ahnen nicht, wie viel Know-how man braucht.“

Exotische Tiere erfordern Kenntnisse bei der Haltung

Für die meisten Exoten bedeutet der Mode-Spleen aus diesem Grund unendliches Leid. „Hunde können zeigen, wenn es ihnen nicht gut geht, Insekten und Reptilien nicht“, erklärt Nadja Kutscher: „Es gibt nicht mal ausreichend Tierärzte für Exoten.“ Die einzige Lösung, laut Peta: Die Haltung dieser Tiere generell verbieten!

Foto: nh

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