Kiwi-Küken, Schildkrötenbabys, Brillenbären

Mit der Frankfurter Zootierärztin auf Baby-Tour 

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Die kleine Babyschildkröte bekommt eine Spritze, die mehr als doppelt so groß wie sie selber ist.

Frankfurt – Kiwi-Küken beim Schlüpfen helfen, Schildkröten aufpäppeln und Hautausschlag bei Brillenbären behandeln: Für Zootierärztin Christina Geiger gibt‘s immer viel zu tun. Der EXTRA TIPP hat sie beim Versorgen der Jungtiere begleitet. Von Fabienne Seibel

Zootierärztin in Frankfurt: Christina Geiger.

Christina Geiger zieht sich die weißen Gummihandschuhe über und greift behutsam in ein Becken voll Wasser und Pflanzen. Mit flinken Bewegungen fängt sie sechs Sumpfschildkröten ein, die erst im vergangenen Herbst geschlüpft sind. Als der Schildkrötennachwuchs in eine Schale mit weichem Tuch gelegt wird, zappeln manche von den Tieren mit ihren Beinen. Jede von ihnen wiegt gerade einmal fünf Gramm. Alle sechs Nachkömmlinge müssen mit einer Aufbauspritze versorgt werden, um fitter aus der Winterruhe zu kommen. Vorsichtig sticht Geiger die viel zu groß erscheinende Nadel in die Haut der Schildkröten. Manche ziehen aus Angst ihren Kopf ein.„Die Winterruhe ist für solch kleine Tiere eine Belastung, weil in dieser Zeit der Stoffwechsel heruntergefahren wird und sie von ihren Reserven leben müssen“, sagt Geiger. Die Fachtierärztin ist schon seit sieben Jahren im Zoo Frankfurt und kümmert sich gemeinsam mit Kollegin Nicole Schauerte um kleine und große Nöte der Zootiere. Jetzt im Frühjahr hat die 34-Jährige besonders viel tu tun: „Dann gibt es wieder viele Babys“, sagt Geiger. Auch bei den Kiwi-Vöglen wird es in den nächsten Tagen Nachwuchs geben. „Wir sind alle deshalb ganz aufgeregt, denn Kiwi-Nachwuchs ist etwas Besonderes. Oft werden die Eier nicht ausreichend gebrütet oder sind nicht befruchtet. Diesmal sieht es aber gut aus“, sagt Geiger.

Seltener Kiwi-Nachwuchs kündigt sich an

Regelmäßig wird sichergestellt, dass es dem Nachwuchs der flugunfähigen Vögel mit dem langen, gekrümmten Schnabel gut geht. Um die Eier zu untersuchen, nimmt ein Tierpfleger den brütenden Kiwi-Hahn von den Eiern herunter. Vorsichtig werden die beiden Eier, die fast 20 Prozent des Körpergewichts eines Kiwis ausmachen, in eine gepolsterte Schüssel gelegt und weggetragen. „Jetzt darf ich bloß nicht stolpern“, sagt Zootierärztin Geiger und konzentriert sich auf jeden Schritt. Die Eier werden auf einen Tisch gelegt, dann wird das Licht ausgeschaltet. Geiger leuchtet mit einer Art Taschenlampe direkt gegen die Schale, die nicht dicker ist als bei einem Hühnerei. Jedes Ei wird von allen Seiten beleuchtet. Geiger: „Das ist besonders in der Anfangsphase hilfreich, um zu sehen, ob sich wirklich ein Küken im Ei befindet.“ Hält man nun die Lampe gegen die Schale, sieht man, dass das Ei fast komplett ausgefüllt ist und kaum noch Hohlraum besteht. Um zu testen, ob die Küken am Leben sind, wird ein kleiner Stab auf das Ei gelegt. Und tatsächlich: Der Stab schwingt deutlich sichtbar hin-und her, ein Zeichen, dass sich das Küken im Ei bewegt. „Die beiden sind quicklebendig. Hoffentlich ist es bald so weit“, sagt Geiger.

Baby-Brillenbären können noch nicht an die Öffentlichkeit

Auch auf den Nachwuchs von Brillenbär-Dame Cashu muss noch ein Auge geworfen werden. Die bereits Ende Dezember geborenen Zwillinge leben noch gemeinsam mit ihrer Mama versteckt im Innengehege. Um den Aufbau der Bindung zwischen Cashu den Baby-Brillenbären nicht zu stören, wurde der Nachwuchs der Öffentlichkeit noch vorenthalten. Auch Geiger besucht die drei nur kurz. Sie liegen eng aneinander gekuschelt im Heu, die kleinen Bären schlafen, und Cashu blickt noch etwas verschlafen auf. „Eins der Babys hatte Anfang der Woche einen Hautausschlag, da muss ich ein Auge drauf haben“, sagt Geiger. „Generell versuchen wir, Mütter und Jungtiere wenig zu stören, damit sie sich sicher fühlen. Die Tiere kümmern sich meistens auch ohne unsere Hilfe sehr gut um ihre Zöglinge“, sagt sie.

Hier die Bilder zur Tour mit der Zootierärztin

Auf Tour mit der Zootierärztin

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