Finanzkrise trifft Tierheime knallhart: Alte Hunde für immer hinter Gittern

Die Krise ist nun auch dort angekommen, wo wenige es vermuten: Bei den geliebten Haustieren. Meistens feige ausgesetzt, manchmal auch schweren Herzens abgegeben, landen langjährige Wegbegleiter im Tierheimzwinger. Und dort bleiben sie meist für den Rest ihres Lebens.

"Kaum jemand will einen Hund aufnehmen, der in zwei, drei Jahren stirbt", weiß Tierpflegerin Cora Bonnet.Im Offenbacher Tierheim warten die älteren Hunde daher meist vergeblich auf ein neues Zuhause. Dort sind es momentan 13 von 25, die älter als acht Jahre sind. Manche Senioren werden regelrecht depressiv, verweigern das Futter und können nicht allein sein.Auch die Tierheime Babenhausen und Münster nehmen immer mehr ältere Haustiere auf. "Viele Leute können sich ihre Tiere nicht mehr leisten. Erst kürzlich gab eine Besitzerin ihren elf Jahre alten Hund deswegen ab", berichtet Beate Laudien, Vorsitzende des Tierschutzvereins Münster und Babenhausen. Es sei keine leichte Entscheidung gewesen, aber selbst für das Futter fehlte das Geld. Kommt es zur Abgabe, dann ist sie endgültig. "Die Hunde würden es nicht verstehen, wenn der Besitzer kurz kommt, aber dann wieder geht", sagt Laudien.Tierpflegerin Bonnet appelliert an diejenigen, die sich einen Hund zulegen wollen: "Gerade für Einsteiger ist ein älterer Hund optimal, weil er ruhiger ist und vieles schon kann." Auch müssten die Senioren weniger und kürzer raus. "Berufstätigen fällt es leichter mit einem älteren Hund klar zu kommen, als einen quirrligen Welpen zu erziehen", fügt sie hinzu. "Wer einem älteren Hund noch ein paar schöne Jahre schenkt, der vollbringt letztendlich auch eine gute Tat", sagt Bonnet.Finanziell bedeuten die Senioren für die Tierheime eine Belastung. Häufig entstehen durch sie hohe Arztkosten. Sie besetzen Plätze, die sonst junge, leichter vermittelbare Hunde haben könnten. Die Tierheime in der Region platzen aus allen Nähten und könnten den Platz brauchen. Zusätzlich zur finanziellen Belastung durch ältere Tiere kommen steigende Energiekosten und eine rückläufige Spendenbereitschaft hinzu.Das Geld, das die Tierheime von den Kommunen bekommen, reicht nicht mehr, um die Kosten zu decken. Und die Lage spitzt sich zu: Die Rücklagen, von denen die Mehrkosten momentan bezahlt werden, sind bald aufgebraucht, wie Laudien und Lincke berichten. Wenn dieser Fall eintritt, müssten die Tierheime schließen und die Kommunen komplett einspringen."In der Arbeit steckt Herzblut", sagt Laudien. Daher will sie an dieses Szenario nicht denken. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", beteuert sie.Offenbachs Stadtrat Paul Gerhard-Weiß ist aber optimistisch: "Wir werden sicher eine Lösung finden." Auch in Babenhausen wird derzeit verhandelt.Doch Geld allein kann Senioren wie Franzl nicht helfen. Das einzige, was sie brauchen, ist ein liebevolles Zuhause.

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